Mit Karabiner und Königssee-Blick

ein Klettersteig-Tag am Kleinen Jenner

Ein bisschen mulmig, ganz viel Mut – und ein Ausblick, der jede Anstrengung wert ist.

Der eine Fuß balanciert auf einem Stahlbügel, der andere ist in den Fels eingespreizt. Eine Hand am Seil, die andere klammert sich an einem Felsvorsprung fest. Unten nichts als Leere – mindestens 50 Meter geht es hinunter. Der Blick schweift in ein wahrlich atemberaubendes Bergpanorama, direkt voraus König Watzmann mit seiner Felsfamilie. Die seichten Wasserstellen an der Seelände des Königssee und des Speicherteichs leuchten in karibischem Türkis herauf. Die Häuser im Tal sind nur kleine Pünktchen, rechts oben schweben die Gondeln der Jennerbahn zur Bergstation.

Ein bisschen mulmig ist mir schon, wie ich meine zehnjährige Tochter da so klettern sehe – im Schützensteig am Kleinen Jenner. Aber prompt setzt der beruhigende Gedanke ein: Wir sind gut gesichert und haben professionelle Begleitung.
 

Daniela V. arbeitet als Klettersteigführerin bei der Klettersteigschule Berchtesgaden und führt unsere Gruppe durch die Felswände des Kleinen Jenners.

Der Übungsklettersteig am Hanauerstein

Am Morgen sind wir zum Treffpunkt am Hanauer Stein in Unterstein , dem Ortszentrum von Schönau a. Königssee, gekommen. Eine vierköpfige Familie aus Berlin ist mit von der Partie, außerdem ein Paar mit einem jugendlichen Sohn, die ebenfalls gerade in Berchtesgaden Urlaub machen Der Klettersteigverein und die -schule haben vor über 15 Jahren in der steil abfallenden, etwa 40 Meter hohen Felswand hinter dem Gasthaus Unterstein fünf Routen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad angelegt. Seither erfreuen sich diese Übungsklettersteige bei allen Klettersteig-Liebhabern und denjenigen, die es einmal werden wollen, großer Beliebtheit.

Dani fährt auf ihrem schneidigen Motorrad vor, schließt die Holzhütte, in der die Ausrüstung untergebracht ist, auf und begrüßt die Gruppe. Jeder bekommt einen Kletterhelm und einen Sitzgurt. Am Gurt wird das Klettersteigset befestigt. Es erinnert an ein Y und stellt im Klettersteig die Verbindung zwischen Mensch und Fels her. Zwei Karabiner an Seilen werden am Drahtseil eingehakt, ein spezieller Dämpfer federt einen Sturz im Ernstfall sanft ab. So ausgerüstet steigen wir ein paar Meter hinauf und probieren es an einem waagrecht gespannten Seil aus. Eine Hand immer am Seil, so die Regel. Mit der anderen Hand öffnen wir erst den einen Karabiner und versetzen ihn in den nächsten Seilabschnitt. Erst wenn er sicher angebracht ist, kommt der zweite. „Niemals beide Karabiner gleichzeitig öffnen" – das sei das A und O, erklärt Dani. Darauf achtet sie besonders bei den Kindern, denn die sind beim Klettern durch die Aufregung, die vielen Eindrücke in der Wand und die im Minutentakt startenden Gleitschirmflieger am Fuße des Kleinen Jenner leicht ablenkbar. Obwohl die Strecke zwischen erstem und letztem Kletterer bei dieser Gruppenstärke enorm ist, scheint Dani überall zugleich zu sein. Den Erwachsenen gibt sie Tipps, macht Mut und motiviert. Ihren Job hat sie drauf, so viel steht fest. 

Der Schützensteig

Schon als wir in den bequemen Gondeln der Jennerbahn aus den bodentiefen Panoramafenstern schauen, fällt er uns linker Hand auf: der Kleine Jenner. Mit seinen steil abfallenden Felswänden Richtung Tal, der spektakulären Fahrt mit der Bergbahn und seinem bequemen Zustieg von der Bergstation hinunter ist er prädestiniert für ein herrliches Klettersteig-Erlebnis. Der 2015 angelegte, etwa 330 Meter lange Schützensteig liegt im Schwierigkeitsgrad A und B. Er ist für Familien konzipiert, wobei es mit Kindern immer ratsam ist, zwei Erwachsene dabei zu haben, um zu sichern und über so manche Stelle hinwegzuhelfen, wo die Beinchen vielleicht doch noch zu kurz sind. 

Nach der Fahrt in der Gondel wandern wir vorbei an herrlich blühenden Bergwiesen und, begleitet von tollen Aussichten, hinein in das Hochgebirgsgelände des Nationalparks Berchtesgaden. Der Blick reicht hinüber zum Schneibsteinhaus und Stahlhaus sowie hinauf auf das mächtige Hohe Brett – bis wir schließlich den Klettersteig-Einstieg erreichen. Dani erklärt an einer Schautafel die Route, dann geht's los durch den engen Einstieg. Dani möchte sich zunächst ein Bild machen, ob sich auch alle der Herausforderung im Fels gewachsen fühlen, und so steigen wir kurze Zeit später über den Notausstieg wieder aus der Wand aus. „Es soll ja Spaß machen und keine Tortur werden", stellt Dani klar und gibt so jedem Gruppenmitglied die Möglichkeit, nach dieser kurzen Testrunde aufzuhören. Dann geht es richtig los, und kurze Zeit später erreichen wir den ersten Höhepunkt.

Der Flying Fox ist Nervenkitzel pur. Lang ist er nicht, aber es ist eine Fetzn Gaudi, sich in den Gurt zu setzen und per Seilrutsche über den Abgrund zu flitzen. Nahezu jeder Abschnitt hat einen Namen: Auf kleinen Plaketten steht dann beispielsweise „steiler Pfeiler" und „große Querung", oder auch ganz witzig-amüsant „schneidige Gams" und „Wampenschreck" – wenn ein Fels in Höhe der Körpermitte etwas heraussteht. Da heißt es dann: Bauch einziehen und durch, bis es über die Hängebrücke oder auf bequemen Holz- und Metallleitern weitergeht. Kurz vor dem Ende hält der Schützensteig noch ein Highlight bereit: Das „Bürgermeisterbankerl“, eine bequeme Ruhebank mit einem atemberaubenden Rundumblick

Abschluss auf der Jenneralm

Letztlich treffen wir uns alle auf der Sonnenterrasse der Jenneralm und freuen uns über unsere tolle Klettersteig-Erfahrung. Das Fazit meiner Tochter ist eindeutig: „Klettersteig gehen – das ist mein neuer Lieblingssport."

Leihausrüstung und geführte Touren

  • Wer weiter üben will, kann sich die Ausrüstung auch ohne begleitete Tour ausleihen: Bei Sport Renoth mit den Standorten an der Jennerbahn Talstation und im Berchtesgaden Nähe Bahnhof.
  • Geführte Touren können über die Klettersteigschule Berchtesgaden gebucht werden: 
  • Das Sportgeschäft an der Talstation der Jennerbahn empfängt Besucher mit besonderem Flair. Hier finden Sie hochwertige E-Bikes für verschiedene Ansprüche der Marken KTM, Genesis und Scott zum leihen. Tourentipps gibt gratis dazu.

    Sport Renoth Jennerbahn

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    Klettersteigverein Schönau a. Königssee

    Die Klettersteige am Grünstein, am Kleinen Jenner und am Hanauer Stein werden durch den unermüdlichen Einsatz von vielen Ehrenamtlichen des Klettersteigvereins Schönau a. Königssee, die ihre Freizeit dafür opfern, regelmäßig gewartet und instandgehalten. Um die Kosten für Werkzeuge, Seile und Bohrhaken zu decken, freut sich der Verein über Deine Spende:

    Klettersteigverein Schönau a. Königssee

    Sparkasse Berchtesgadener Land 

    BIC: BYLADEM1BGL 

    IBAN: DE20 7105 0000 0020 0890 74

    Mehr erfahren

    • Der "Skywalk" zum Hanauerstein
      Bergerlebnis Berchtesgaden

      Übungsklettersteig Hanauerstein

      Schönau a. Königssee
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      • Klettersteig
      • Bergsteigen
    • Der Jenner

      Neben dem vielseitigen Wander- und Klettergebiet, der modernen Seilbahn und der gemütlichen Gastronomie ist der Jenner berühmt für seinen spektakulären Ausblick auf Königssee und Watzmann
    • Bergerlebnis Berchtesgaden

      Schützensteig

      Schönau a. Königssee
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      • Klettersteig
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      Jenneralm

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