Auf der Spur von heimischen Kräutern
Monika Angerer
Kräuterpädagogin Monika Angerer aus Marktschellenberg

„Der liebe Gott wurde einmal von den Blumen gefragt, wer die schönste sei. Dieses unscheinbare Blümchen hat er ausgewählt, weil es sehr hübsch ist, besonders aber, weil es sich von nichts unterkriegen lässt und wahre Widerstandskraft besitzt.“

Eine Kräuterwanderung in Berchtesgaden

Es gibt diese besonderen Tage. Eigentlich ist alles, wie immer, aber plötzlich wird das, was immer schon da war, richtig sichtbar. Genau so ein Tag war dieser Dienstag im Frühling, als sich eine kleine Gruppe von Menschen am Schlossplatz in Berchtesgaden trifft, um mit weit offenen Augen durch die Natur zu streifen. Begleitet wird die kleine Exkursion von Kräuterpädagogin Monika Angerer aus Marktschellenberg.

  • Monika Angerer erklärt die Kräuter in Berchtesgaden
  • Geführte Kräuterwanderung in Berchtesgaden
  • Grüne Wiesen mit frischen, jungen Kräutern und strahlendem Sonnenschein

Kräuterexpertin mit Leidenschaft

Monika zeigt auf ein schönes Gebäude links neben der Stiftskirche, das im 14. Jahrhundert als Stallmeisterei diente. „In diesem historischen Haus bin quasi ich aufgewachsen,“ erzählt sie. Über 30 Jahre lang haben Monikas Eltern die bis vor einigen Jahren dort ansässige Druckerei Fuchs betrieben.
Während die Gruppe die Wanderung Richtung Nonntal beginnt, stellt sich Monika vor: „Ich bin ein Fortbildungsjunkie„, gesteht sie lachend. Nach einer Lehre zur Bankkauffrau und dem Besuch der Hauswirtschaftsschule hat sie ihren Meister in Hauswirtschaftslehre gemacht, ist NLP-Mentaltrainerin, hat die Ausbildung zum systemischen Coach abgeschlossen, ist Hildegard-von-Bingen-Heilpflanzen-Praktikerin und zertifizierte Kräuterpädagogin. Im Sommer macht sie Weiterbildung zur DAV-Wanderführerin. Und ganz nebenbei ist Monika Mama von drei Kindern, Buchautorin und Dozentin bei der Volkshochschule. Nicht zu vergessen, dass sie in Teilzeit als Vertriebs- und Personalentwicklerin bei einer großen Bank arbeitet. Ihr besonderes Interesse ist das Räuchern mit Kräutern und die Naturapotheke. Eines betont sie jedoch klar: „Ich bin weder Heilpraktikerin noch Ärztin – ich behandle niemanden. Ich zeige nur, was die Natur uns alternativ bieten kann.“

Unscheinbarer Held heimischen Wiesen

Unser Weg führt uns vorbei an einem bunten Teppich aus Frühlingskräutern. Bei einer kleinen Pause erzählt Monika eine charmante Geschichte „Der liebe Gott wurde einmal von den Blumen gefragt, wer die schönste sei.“ Mit einem Augenzwinkern deutet sie auf ein kleines Gänseblümchen. „Dieses unscheinbare Blümchen hat er ausgewählt, weil es sehr hübsch ist, besonders aber, weil es sich von nichts unterkriegen lässt und wahre Widerstandskraft besitzt.“ Die Anekdote aus dem Volksmund liefert eine mythologische Erklärung, warum die weißen Blütenblätter der kleinen Wiesenblumen an den Spitzen rot gefärbt sind: „Das Gänseblümchen hat sich so gefreut, dass es ein wenig rot angelaufen ist.“ Hinter dieser poetischen Auslegung steckt jedoch handfeste Wissenschaft: Die rote Färbung entsteht durch Flavonoide und Anthocyane. die wie eine Art Schutz vor schädlichen Umwelteinflüssen wirken. So hält das Gänseblümchen Frost im Frühjahr oder zu viel Sonne im jungen zarten Wachstum gut aus.

  • Entdecken der Kräuter
  • Frische Kräuter können während der Wanderung gepflückt und probiert werden
  • Kräuterpädagogin: Monika Angerer aus Marktschellenberg

Wildkräuter – die verkannte Apotheke direkt vor der Haustür

Ganz davon abgesehen, ist das Gänseblümchen eine wichtige Heilpflanze – wie so viele unscheinbare Blätter und Blüten, die es jetzt im Frühling überall zu finden gibt. Stoffwechselanregend, schleimlösend, entzündungshemmend und wundheilungsfördernd – lang ist die Liste seiner wertvollen Attribute. Während die Wandergruppe den serpentinenartigen Meditationsweg der 8 Seligpreisungen hinaufwandert, zeigt Monika, was die Natur noch zu bieten hat. „Die Brennnessel ist unser wertvollstes Kraut„, erklärt sie mit Nachdruck. „Sie enthält mehr Vitamin C als viele Kulturpflanzen und stärkt unser Immunsystem gegen Viren und Bakterien.“

Weiter geht es mit Girsch, der 13-mal so viel Vitamin C wie Kopfsalat hat und in Salaten, auf Pizza oder in Gemüsequiches verwendet werden kann. Labkraut, Spitz- und Breitwegerich, Springkraut und Ehrenpreis – zu jedem Kraut weiß Monika die Anwendungsgebiete und Heilkräfte. Es wird gerochen, gefühlt, genau angesehen. Mit allen Sinnen sind die Naturinteressierten den Kräutern auf der Spur.

  • Monika Angerer erklärt Kräuter

Die Kraft der Bäume

Bei einer kurzen Rast unter einer Linde erklärt Monika: „Wer schlecht drauf ist, sollte sich unter eine Linde setzen. Die ätherischen Öle dieses Baumes wirken nachweislich stimmungsaufhellend.“
Die Knospen der Bäume, die gerade so richtig dick an den Zweigen hängen, haben es ihr besonders angetan: „Knospen sind embryonales Gewebe. Das ist hochkonzentrierte Lebenskraft.“ Allerdings dürfe von jeder Pflanze nur wenig entnommen werde, um deren eigene Entwicklung nicht einzuschränken. Jeder aus der Gruppe darf eine Lindenknospe probieren. Sie schmeckt mild und nussig.

  • Kräuterpädagogin: Monika Angerer aus Marktschellenberg
  • Kräuterpädagogin: Monika Angerer aus Marktschellenberg
  • Bei der Kirchleitn Kapelle gibt es Erklärungen und eine Pause

Kulinarische Genüsse aus der Natur

Bei der Kirchleitnkapelle vor dem gewaltigen Panorama des Watzmann-Massivs stellt Monika ein kleines Buffett zusammen. Aus Bechern können die Teilnehmer der Wanderung den Kräuterkrafttrunk Oxymel mit verschiedenen Geschmacksrichtungen probieren. Auch Hollerbeerenschorle mit dem Extrakt ausgekochten Weihrauchs gibt es zu kosten. Passend zu König Watzmann geradezu königlich schmeckt das selbstgebackene Dinkelbrot mit den exklusiven Aufstrichen á la Monika: Cranberry-Bärlauch-Löwenzahn-Creme und Chili-Knospen-Butter – ein Gedicht.

  • Brotscheiben und zweierlei Aufstriche - natürlich selbst gemacht!
  • Monika Angerer

Genuss der Stille

So gestärkt tritt die Gruppe den letzten Teil der Wanderung an. Monika bittet: „Lasst uns bitte nicht sprechen, solange wir durch den Wald gehen. Der Alltag bringt genug Stress. Hier können wir einfach mal bei uns sein und die Geräusche der Natur genießen.“ Alle Teilnehmer machen dankbar mit.
Etwas oberhalb des Ausgangspunkts, die Türme der Stiftskirche scheinen schon zum Greifen nah, schließt die Kräuterexpertin ihre spannende Lehrstunde: „Wir haben alles, was wir zum Gesund- und Fitsein brauchen, direkt vor der Haustür,“ ermutigt sie ihre Teilnehmer, weiterhin mit offenen Augen in der Natur unterwegs zu sein.