Wassertreten mit Watzmann-Blick
von Blog-Autorin Claudia Schülein
von Blog-Autorin Claudia Schülein
„Der Frühling ist für mich wie ein Neuanfang!“ Barbara Steube blickt sich um. Die große, schlanke Frau mit den braunen, lockigen Haaren kam gerade aus dem Rostwald herausmarschiert. Jetzt steht sie kurz vor der Aschauerweiherstraße und lässt den Blick schweifen. Noch sind die Wiesen braun, die Bäume kahl und der Schnee leuchtet von den Bergen herunter. Doch die Sonnenstrahlen wärmen schon den Körper. Und die lustigen, bunten Tupfer der Frühblüher am Waldrand erwärmen das Gemüt.
Warme Gedanken sind genau das, was Barbara wenig später braucht. Auf Zehenspitzen eilt sie barfuß zum Becken und steigt die wenigen Stufen hinunter. Die Hosenbeine hat sie bis zu den Knien hochgekrempelt. Tapfer stakst sie im Storchenschritt durch das eiskalte Wasser. „Vier Grad wird es wohl haben,“ stellt Barbara fest, bevor sie eilends wieder aus dem Becken huscht und sich rasch abtrocknet.
Barbara liebt das Kneippen. Ob im tiefsten Winter, im Frühling oder im Sommer, wenn es heiß ist – das Wassertreten im kalten Gebirgsquell gehört für sie dazu. „Wenn Du aus dem Becken steigst, fühlt es sich an, als ob Dir die Füße abfrieren, richtig stechend kalt,“ erzählt sie. Kreislauf und Durchblutung werden extrem angeregt und nur wenig später fühlt sich Barbara wieder wohlig warm.
Die zweifache Mutter aus Marktschellenberg hat schon einiges gemacht, in ihrem Leben. Eine Ausbildung zur Zahnarzt-Helferin abgeschlossen. Mit ihrem Vater, der einen eigenen Malerbetrieb hat, auf dem Bau gearbeitet. Nina Schlesener, die erste weibliche Bergführerin in Berchtesgaden, beim Industrieklettern in München unterstützt. 18 Jahre in Berchtesgadens Bücherstube Bestseller verkauft. Skitourenrennen gelaufen. Mit ihrem Mann die Hof-Imkerei wieder zum Leben erweckt, die ursprünglich 1897 von Barbaras Urgroßeltern aufgebaut worden war.
Während sie einen Campingkocher mit Gaskartusche und einen Espressokocher aufbaut, erzählt sie von ihrer aktuellen Arbeit. Nach Jahren der Aus- und Fortbildung bietet die sportliche Frau Yoga- und vorallem Qi Gong-Kurse an, auch in einem großen Hotel in Berchtesgadens Ortskern. Mit ihren Kursgruppen wandert sie von Berchtesgaden hier herauf zum Kneippbecken hinter dem Naturbad Aschauerweiher in Bischofswiesen. „Bis jetzt hat es noch jeder versucht – nur einmal, bei Schneegestöber, hat ein Mann verzichtet und sich aufs Fotos machen konzentriert,“ schmunzelt Barbara. Besonders im Frühling, „zum wieder munter werden“, empfiehlt Barbara das Kneippen: „Für meine Gäste ist das ein richtiges Abenteuer. Ein Verlassen der Komfortzone des Alltags. Viele empfinden Stolz, wenn sie sich überwunden und es geschafft haben!“ Ein kleines Abenteuer ist auch der frisch zubereitete Kaffee unter freiem Himmel in mitten der Natur: „Das ist für meine Gäste ein bisschen wie Campen in der Wildnis.“
Die Sonne leckt am Reif auf den Feldern und an den Loipenresten des Langlaufzentrum Aschauerweiher. Barbara, den dampfenden Thermobecher in der Hand, genießt den grandiosen Blick auf den Watzmann.
Der Blick fürs Große und Ganze, aber auch für die vielen kleinen Details – eine ganzheitliche Betrachtung – ist ihr wichtig. Bewegung und Gleichgewicht, Ernährung und Lebensenergie, kontrolliertes Atmen und Verwurzeln – all das sind Worte, die Barbara oft verwendet. „Gerade nach dem Winter, wo wir zwangsläufig in so einen Mief kommen, viel schlafen, wenig Licht haben, ist es ganz wichtig, den Körper und den Geist wieder in Gang zu bringen, zu beleben.“ rät sie.
Jetzt macht Barbara noch ein paar Yoga- und Qigong-Übungen. Die Sonnenstrahlen bringen ihre fließenden Bewegungen und den entspannten Gesichtsausdruck zum Leuchten – Barbara scheint ganz mit sich und ihrer Umgebung im Reinen zu sein. Der Frühling kann kommen: Berchtesgaden blüht auf!