Beet für Beet in den Frühling
Von Blog-Autorin Claudia Schülein
Von Blog-Autorin Claudia Schülein
In welcher Gemeinde im Talkessel es auf den Verkehrsinseln am Schönsten blüht – darüber lässt sich sicher trefflich streiten. In Bischofswiesen gibt es jedenfalls einen Mann, dem die Bepflanzung dieser kleinen Paradiese mitten im Autoverkehr sehr am Herzen liegt.
Die ersten Bienen summen begierig um das Meer aus Blüten auf der Ladefläche des orangenen Transporters. Die Tür öffnet sich und Florian Buhr klettert behände vom Fahrersitz herunter. Groß und schlank ist er. Er hat ein freundliches Gesicht, dem man die jahrzehntelange Arbeit an der frischen Luft ansieht. Seine orange Arbeiterhose mit den Reflektoren verrät, dass Florian nicht in einem Büro arbeitet.
Dem Ort Bischofswiesen ist Florian sein gesamtes Berufsleben lang treu geblieben. Er ist gelernter Gärtner und hat seine Ausbildung bei der hiesigen Gärtnerei Cramer absolviert. 1988 hat er dann als junger Mann begonnen, beim Bauhof der Gemeinde Bischofswiesen zu arbeiten.
Die Bepflanzung der Verkehrsinseln liegt ihm bei seinem Job besonders am Herzen: „Die Pflanzen und Blüten sollen den Menschen Freude machen, sowohl den Einheimischen, als auch unseren Gästen.“ Wer über die Autobahn und Bad Reichenhall in seine Urlaubsregion Berchtesgaden reist, der fährt als erstes durch Bischofswiesen. Florian ist überzeugt, dass er die Anreise von Ausflüglern und Gästen verändert. „Eine schön bepflanzte Verkehrsinsel mit bunten Blüten kann doch nur gute Laune und ein schönes Urlaubsgefühl erzeugen!“ lacht er.
18 solcher Oasen im Straßenverkehr hat Florian zu betreuen. Sie liegen stark verstreut zwischen dem Einkaufszentrum Panoramapark und dem Ortsteil Winkl über den Ortskern von Bischofswiesen, bis hin zu den Ortsteilen Strub und Ilsank. Viele haben den herrschaftlichen Watzmann direkt im Blick. „Draußen sein und die schöne Natur, die Berge immer im Blick zu haben, das genieße ich sehr,“ freut sich Florian über seinen Arbeitsalltag.
Schon weit im Voraus plant er seine Pflanzen-Einkäufe und die genaue Anordnung – Beet für Beet. „Es gibt auf jeder Insel viele Pflanzen, die schon lange dort wachsen, die ganzjährig sind und saisonal blühen,“ erzählt Florian. Oder auch nicht. Denn besonders schön findet Florian die silbrigen Gräser, die ganzjährig auf den Inseln schimmern. Dazu hat sich der Bischofswieser Gärtner etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Im November bindet er die mächtigen Grasbüschel zusammen und verziert sie mit handgefertigten Köpfen aus Styropor. Fertig sind die Bischofswieser Verkehrsinsel-Buttnmandl. Ein paar Wochen vor Nikolaus sind sie mitunter erstes Anzeichen für den einzigartigen Brauch des Kramperl- und Buttnmandllaufens in Berchtesgaden.
Doch zurück von der Adventszeit, der staaden Zeit in Berchtesgaden, in der Florian übrigens Winterdienst fährt und Winterwanderwege streut — zum Frühling!
Dieses Jahr hat Florian für seine Aufgabe unzählige Stiefmütterchen eingekauft: „Die duften unheimlich gut!“. Das Gestalten eine Verkehrsinsel vergleicht er mit „dem schmalen Grat zwischen Ordnung und Chaos“. Im Vordergrund steht für ihn, dass die Verkehrsinseln lebendig wirken, natürlich. „Darauf muss man bei der Pflanzenauswahl und beim Planen achten – wir wollen keinen königlichen Garten, aber auch keine komplett naturbelassene Almwiese,“ versucht er die Herausforderung zu beschreiben.
Was vor fast 40 Jahren begann, neigt sich dem Ende zu – Florian sorgt dieses Jahr zum letzten Mal für Farben- und Blütenpracht im Bischofswieser Frühling. Bald geht er in Rente und konzentriert sich ganz auf seine privaten Leidenschaften: Das Berg- und Skitourengehen. Oder vielleicht trefft Ihr den frischgebackenen Rentner ja mal am Königssee beim Baden – das mag er nämlich sehr gern und freut sich schon darauf, ab diesem Sommer mehr Zeit dafür zu haben.