Gondeln, Gipfel und geheimnisvolle Höhlen
Berchtesgadener FamilienabenteuerVon Blog-Autorin Claudia Schülein
Von Blog-Autorin Claudia Schülein
Drei Generationen, ein ganzer Tag voll Highlights – so geht ein gelungener Urlaubstag daheim zu Ende. Meine Tochter schwärmte noch tagelang vom Kalten Keller und vom süßen Wurschti, Oma von den schönen Aussichten und ich denke gern an diesen perfekten Tag, an dem wir gemeinsam die Sehenswürdigkeiten vor unserer Haustür entdeckt haben.
Heute gehen drei Generationen gemeinsam auf Ausflug! Meine neunjährige Tochter, meine Mutter und ich hatten uns für diesen sonnigen Tag im Juli etwas ganz Besonderes vorgenommen: Eine Entdeckertour am Obersalzberg, die uns von luftigen Höhen in geheimnisvolle Tiefen führen sollte.
Unser Abenteuer begann bereits beim Einsteigen in die charmanten, rot lackierten Gondeln der Obersalzbergbahn. Das Kabinengatter muss hier noch manuell geschlossen werden – ein Detail, das sofort nostalgische Gefühle weckt. Kaum waren wir drin, schwebte unsere kleine Gondel auch schon über die herrlich blau-grüne Ache davon, den Obersalzberg hinauf.
An der Mittelstation steigen wir während eines kurzen Zwischenstopps um. Fasziniert beobachteten wir während der Fahrt zur Bergstation, wie die Schatten unserer Gondeln über den üppigen Bewuchs mit seinen prächtigen Farnen am Boden wandert – ein schönes Schattenspiel, das meine Tochter in seinen Bann zieht.
Oben an der Bergstation angekommen, wurden wir von der freundlichen Bahnwartin und ihrem entzückenden Hund Wurschti begrüßt. Solche herzlichen Begegnungen sind es, die einen Ausflug unvergesslich machen – besonders für Kinder, die sofort eine Verbindung zu vierbeinigen Freunden knüpfen.
Nur wenige Meter von der Bergstation entfernt wartete bereits das nächste Highlight: die Sommerrodelbahn Obersalzberg. Eine riesige Gaudi für Groß und Klein! Besonders die berüchtigte Watzmann-Kurve sorgt für Nervenkitzel und jede Menge Gekicher.
Nach so viel Action wird’s Zeit für eine Einkehr. In der Berggaststätte Hochlenzer gibt es einen riesigen Eisbecher mit frischen Früchten. Ein ganz besonderer Sommergenuss, begleitet von einem herrlichen Blick in die Täler und auf den majestätischen Watzmann.
Gestärkt machten wir uns auf den Weg in den kühlen Wald. Die pittoresken Pfade führten uns den Salzberg hinab, vorbei an Schafsherden, die friedlich im Schatten der großen Bäume lagen oder gemütlich grasten. Wir erinnern uns, wie wichtig die reiche Geschichte des Salzbergs für Berchtesgadens Entwicklung war.
Seit über 500 Jahren wird hier Salz abgebaut – ein Reichtum, der Berchtesgaden einst wohlhabend machte. Die Stollen ziehen sich kilometerweit in den Berg hinein, und Gäste können dieses eindrucksvolle Erbe im Salzbergwerk Berchtesgaden hautnah erleben. Meine Tochter war sehr fasziniert von den Geschichten über das „weiße Gold“ zu unseren Füßen.
Unser Weg führte uns vorbei an idyllischen Bauernhöfen und herrschaftlichen Villen – eine der schönsten Gegenden Berchtesgadens. Der atemberaubende Tiefblick auf das historische Ortszentrum und den gewaltigen Untersberg dort drüben ließ uns immer wieder innehalten.
Dann wurde es richtig spannend. Wir betraten eine märchenhafte Waldlandschaft mit vielen Felsen und tiefen Spalten, die sich zwischen üppigem Bewuchs und Farnblättern auftaten. Die Baumkronen schirmten die Sonne fast komplett ab – herrlich schattig und kühl ist es hier in der Sommerhitze.
Aus den Felsspalten zog es merkwürdig kalt, und obwohl man um die nächste Ecke eine wunderschöne Fee oder ein weißes Einhorn erwartet hätte, war es auch ein klein bisschen gruselig. Was mochte sich wohl in diesen Felsritzen und kleinen Höhlen alles verbergen? Meine Tochter wechselte zwischen Faszination und einem wohligen Schauer – genau die richtige Mischung für ein echtes Abenteuer.
Steile Stufen mit gut gesichertem Geländer führten uns hinunter, ein verwinkelter Abstieg, und plötzlich tat sich ein wahres Naturspektakel auf: als hätte ein Riese mit einem breiten Schwert einen monströsen Felsblock entzweit. Hinter diesem grandiosen Anblick und nach der Schreiberwand präsentierte sich endlich das Ziel, auf das meine Tochter schon während der ganzen Wanderung gewartet hatte.
Der Kalte Keller! Hier auf 680 Meter Höhe erwartete uns eine sich verjüngende Höhle, die etwa zehn Meter tief in den Berg hineingeht. Sie läuft nach oben hin spitz zu und ist etwa acht Meter hoch. Wanderer können problemlos ein ganzes Stück hineingehen, und genau das taten wir.
Oben hängen Pflanzen herab wie Lianen im Dschungel, die Felswände sind dick und dicht mit Moos bewachsen. Der Temperaturunterschied zu draußen ist massiv – sobald wir die Höhle mit dem großflächigen Eingang betraten, begannen wir zu frösteln. Sobald wir wieder hinaustraten, gab uns die vermeintliche Hitze eine richtige „Watschn“, wie wir Bayern sagen.
Die Klufthöhle am Herzogberg ist als Naturdenkmal und zusätzlich als Geotop ausgewiesen. Diese kalte Luft, die aus dem Bergesinneren strömt, wurde in früheren Jahren clever genutzt: Die Höhle diente als Kühlkammer für Bierfässer, Getränke und Milchprodukte – nicht zuletzt für die Gastwirtschaft, die hier bis Mitte des 20. Jahrhunderts betrieben wurde.
Meine Tochter war sehr beeindruckt von diesem natürlichen Kühlschrank und von Omas Geschichten von früher, als es noch keine elektrischen Kühlschränke gab und die Menschen solche Naturwunder zu nutzen wussten.
Wir verließen diesen beeindruckenden natürlichen Kühlschrank und gelangten schließlich zur Obersalzbergstraße, wo gerade die Kehlstein-Busse nach einem langen Tag am weltberühmten Ausflugsziel in ihre Garage zur abendlichen Ruhe gefahren wurden.
Einen schönen Abschluss unseres Tages bot uns Berchtesgadener Ache, die mit kaltem Bergwasser für müde Füße lockte. Dort saßen wir dann, die Füße im erfrischenden Wasser baumelnd und ließen die Ereignisse des Tages Revue passieren.
Dieser Ausflug ist ein perfekter Familientag! Fahrt mit der Bahn nach oben, vergnügt Euch bei der Sommerrodelbahn und kehrt beim Hochlenzer ein! Die Wanderung vom Obersalzberg zum Kalten Keller und zurück zur Talstation ist auch für Familien mit Kindern gut machbar. Festes Schuhwerk ist empfehlenswert, und eine dünne Jacke für den Besuch der Höhle sollte man nicht vergessen – der Temperaturunterschied ist wirklich beachtlich!