Kommissar Scharf ermittelt
Von Blog-Autorin Claudia Schülein
Von Blog-Autorin Claudia Schülein
Ich arbeite in der schönsten Polizeidienststelle Bayerns – und weit darüber hinaus.
Dort, wo Fernsehstar Andreas Giebel alias Kommissar Beissl Fälle aufklärt – in der seit 2019 ausgestrahlten ARD-Krimiserie Watzmann ermittelt, arbeitet dieser Mann in der Realität: Stefan Scharf. Er ist Polizeidienststellenleiter – Polizeichef in Berchtesgaden. Und sagt: „Ich arbeite in der schönsten Polizeidienststelle Bayerns – und weit darüber hinaus.“ Die denkmalgeschützte Villa Bayer, in der die Polizei in Berchtesgaden seit 1987 untergebracht ist, liegt direkt gegenüber dem Haus der Berge am Ortsausgang von Berchtesgaden. Mit ihren Erkern, Balkonen, Holzverkleidungen und anderen Elementen der Spätrenaissance macht sie schon was her.
Der direkte Watzmann-Blick von der Terrasse der einstigen Kaufmannsvilla mit Balustrade im parkähnlichen Garten ist atemberaubend. Aber: „Das Betreten der Rasenflächen ist nicht gestattet. Ums Haus gehen und auf dieser Seite des Gebäudes fotografieren ist verboten,“ erklärt Stefan. Er freue sich über die vielen Watzmann ermittelt-Fans: „Es vergeht kein Tag, an dem nicht jemand auf Fotojagd zur Polizeistation kommt“.
Im Inneren der Villenpolizeistation beeindrucken reichverzierte Holzkassettendecken, aufwändige Wandvertäfelungen, Stuckdekor, ein Schüsselkachelofen und intarsienbesetzte Fußböden. Die sieht der Zuschauer vor seinem Fernseher zu Hause nicht.
In der Polizeistation drehen – das ist leider nicht erlaubt. Und so stammen die Innenaufnahmen in Kommissar Beissels Polizeistation aus einem Fernsehstudio. „Wir bei der Polizei leben von Sekunde zu Sekunde,“ beschreibt Stefan seinen Job. Ein Anruf – in den Bergen vermisste Person, schwerer Verkehrsunfall oder ein anderes Unglück – und schon müssen alle funktionieren. Stefan muss dann als Einsatzleiter alles unter Kontrolle haben, in kürzester Zeit schwerwiegende Entscheidungen treffen und für Interviews und Pressestatements zur Verfügung stehen. Generell ist Stefan für die Kolleginnen und Kollegen, die Dienstpläne, die Liegenschaften, sowie die Fahrzeuge der Polizei verantwortlich. Am Liebsten kümmert er sich um das Polizeiboot auf dem Königssee: „Ich kriege nicht genug von der schönen Natur in Berchtesgaden und gehe auch privat sehr gern in die Berge.“
Eine seiner Lieblingsaufgaben ist die jährliche Zeremonie bei der Almer Wallfahrt. Die findet an der Grenze von Österreich zu Bayern, mitten im Steinernen Meer, etwas oberhalb des Funtensees statt. Hier begehren die Wallfahrer, von Maria Alm kommend, Einlass nach Bayern, um über das Kärlingerhaus und die Saugasse nach St. Bartholomä am Königssee weiter zu pilgern. Bayerische Polizisten, Zollbeamte, geistliche und politisch-gesellschaftliche Würdenträger erwarten Sie bereits. Und nach einem Ständchen der Blaskapelle, die selbst schwere Tubas übers Gebirge schleppt, sagt Stefan ganz traditionell: „Wir sind zu der Überzeugung gelangt, dass ihr alle brave Leute seids und gesammelt einreisen dürfts.“
Die enge Verbundenheit von Brauchtum und Tradition in Berchtesgaden mag Stefan besonders: „Wir haben eine außergewöhnlich gute Zusammenarbeit mit den Vereinen im Talkessel, ob Trachtenvereine, Freiwillige Feuerwehren oder Weihnachtsschützen – wir halten alle zusammen. Dafür bin ich sehr dankbar!“
Das liegt vielleicht aber auch daran, dass Stefan ja selbst ein gebürtiger Berchtesgadener ist. In Berchtesgaden aufgewachsen, hat er 18 Jahre lang mit einer Berchtesgadener Kramperl-Pass den Nikolaus begleitet und ist nun seit über 30 Jahren bei der Polizei. Nach der Ausbildung hat er mehrere Stationen durchlaufen. Er war Dienstgruppenleiter in Freilassing, hat auf der Fachhochschule für den öffentlichen Dienst studiert, war bei der Planung des G7-Gipfels dabei und hat sich zehn Jahre lang im Polizeipräsidium in Rosenheim um die Öffentlichkeitsarbeit gekümmert. Mit der Versetzung nach Berchtesgaden wurde ein Traum für ihn wahr. „Und dann auch noch als Dienststellenleiter – ich habe viel dafür gearbeitet, aber trotzdem, ein wenig Glück und zur rechten Zeit, am rechten Fleck sein, gehört schon auch dazu“, resümiert Stefan.
So, jetzt wird es Zeit. Jeden Morgen ist Dienststellenbesprechung und alle aus dem Team erstatten Bericht. Und heute hat der Chef seine Mitarbeiter in der Polizeistation zum Weißwurschtfrühstück eingeladen. Im Treppenhaus, noch Original von 1847, wird es laut. Das alte Holz knarzt. Aus dem Erdgeschoss und dem zweiten Stockwerk kommen die Kollegen heran und treffen sich in der kleinen Küche mit den zwei gemütlichen Tischen. Stefan prüft die Weißwürste – genau richtig.
Selbstverständlich darf das Wasser zu keiner Zeit kochen und die Würste müssen ohne Deckel auf dem Topf erhitzen. „Alles, was zum Weißwurschtfrühstück dazu gehört, kaufen wir bei lokalen Anbietern,“ sagt Stefan und fängt an, die Teller zu befüllen. Hoffentlich ist jetzt nicht die Sekunde, in der sich alles dreht und die Polizisten von Berchtesgaden können die bayerischen Köstlichkeiten in Ruhe genießen.