Eine Detektivin der Historie
Die Werkstatt selbst hat Kornelia in Salzburg eingerichtet. Dort stehen ihre Maschinen – allesamt alte, fast historische, Geräte, die sie und ihr Mann mit viel Recherche in ganz Europa aufspüren und kaufen. „Die alten Maschinen kann mein Mann als geschickter Praktiker selber reparieren. Wir suchen immer weitere Maschinen, damit wir genügend Ersatzteile haben," erklärt Kornelia. Neuanschaffungen bei den wenigen noch verbliebenen Herstellern traditioneller Hutmacher-Maschinen sind oft unerschwinglich teuer – also suchen sie kreativ und mit dem Blick in die Vergangenheit.
Vergangenes (wieder)entdecken und lebendig erhalten ist ohnehin das, was Kornelia antreibt. „Meine Frau gehört eigentlich ins 19. Jahrhundert," sagt ihr Mann schmunzelnd – weil seine Frau sich so gerne mit Dingen aus der Zeit der Vor- und Frühindustrialisierung beschäftigt. Und tatsächlich fühlt Kornelia sich bei ihrer Arbeit manchmal wie eine Detektivin der Geschichte.
Ein Beispiel: Anfangs konnte sie sich nicht erklären, warum viele alte Damen-Trachtenhüte eine eigenartige Verfärbung im Inneren aufwiesen. Die Lösung stellte sich als ebenso menschlich wie einleuchtend heraus: Viele ältere Trägerinnen hatten sich für Festtage die Haare am Oberkopf mit löslicher Farbe nachgefärbt – weil die angesteckten Zöpfe noch die Haarfarbe ihrer Jugend trugen, das eigene Haar aber längst ergraut war. Der Hut verriet es.
Was kommt als Nächstes?
Kornelia lässt sich derzeit Holzmodeln anfertigen, um künftig nicht nur zu restaurieren, sondern auch neue Trachtenhüte – und eigene Kreationen – herzustellen. Das ist ihr nächster Traum. Auch wenn der Weg dahin seine Tücken hat: Qualitativ hochwertige Filzstumpen als Rohmaterial sind teuer und schwer aufzutreiben. Aber Kornelia wäre nicht Kornelia, wenn sie dafür keine Lösung finden würde – manchmal eine kreative, immer eine handwerklich überzeugende.
Was sie antreibt, lässt sich vielleicht so zusammenfassen: Sie verbindet ihre Kreativität und ihr Gespür für Farbe und Stil mit dem tiefen Drang, Altes mit Geschichte und Tradition am Leben zu erhalten. Das eine schließt das andere nicht aus – im Gegenteil. Bei Kornelia, der Schellenberger Hutmacherin, verbindet es sich.