Hinter den Kulissen von „In höchster Not“

Mit der Bergwacht Ramsau im Gespräch

Blogbeitrag von Christina

Am 6. Mai startet die 2. Staffel der Dokuserie „In höchster Not“ – eine Serie, in der mit beeindruckenden Bildern Rettungseinsätze in den bayerischen Alpen dokumentiert werden, stets aus der Sicht der ehrenamtlichen Rettungskräfte. Sieben Millionen Menschen haben die erste Staffel der Serie mit den Rettungseinsätzen der Bergwachten Ramsau und Grainau auf den Bildschirmen verfolgt, bei der zweiten Staffel sind auch Rettungseinsätze der Bergwacht Bad Reichenhall zu sehen. 

Ich habe mich vor dem Staffelstart mit Michael Renner, dem Bereitschaftsleiter der Bergwacht Ramsau, unterhalten. Wir treffen uns am späten Nachmittag bei der Bergwacht Ramsau, wie jeder Bergretter geht auch Michael Renner einem zivilen Beruf nach. Michael ist seit 2018 bei der Bergwacht Ramsau, die Liebe hat den gebürtigen Regensburger in das Bergsteigerdorf geführt. Letztes Jahr wurde er zum Bereitschaftsleiter gewählt.

Die Dokuserie hat im vergangenen Jahr viel Aufmerksamt auf die Arbeit der Bergwacht gelenkt. Für Michael ist das sehr positiv: „Die Serie hilft uns enorm, unsere Arbeit sichtbar zu machen. Viele Menschen wissen gar nicht, was alles hinter einem Einsatz steckt.“ Gleichzeitig zeigt die Serie, wie anspruchsvoll und oft auch belastend die Einsätze sind. Die Kameras, die direkt am Körper der Einsatzkräfte befestigt sind, liefern eindrucksvolle Perspektiven. Mit der Kamera auf dem Helm sehen die Bergretter zwar aus wie Teletubbies, aber im Einsatz rücken die Aufnahmegeräte in den Hintergrund. „In dem Moment zählt nur die Rettung. Dass gefilmt wird, spielt dann keine Rolle“ erzählt mir Michael. Erst im Nachhinein wird bewusst, wie intensiv die Bilder für Außenstehende wirken, wobei die sachliche Darstellung immer im Vordergrund steht. Nach dem erfolgten Einsatz werden die Patienten um ihr Einverständnis gebeten, die Filmaufnahmen verwenden zu dürfen.  

Führung durch die Einsatzwache

Um dem Interesse der Zuschauer Rechnung zu tragen, gibt es nun einmal monatlich die Möglichkeit, hinter die Kulissen der Bergwacht Ramsau im Rahmen einer Führung zu schauen. Einige wenige Plätze sind noch frei 

Die Bergwacht Ramsau

Michael hat letztes Jahr zahlreiche und sehr positive Rückmeldungen von anderen Bergwachten erhalten. Die mediale Aufmerksamkeit hat dazu geführt, dass das Nischenthema Bergrettung wieder mehr in den Fokus gerückt ist. Die Finanzierung des Fuhrparks übernimmt der Freistaat Bayern, die Gemeinde Ramsau überlässt die Räumlichkeiten der Bergwacht mietfrei. Für den laufenden Betrieb und die Ausrüstung der Einsatzkräfte sind die Bergwachten auf Spenden angewiesen. 

Die Bergwacht Ramsau zählt momentan 47 aktive Einsatzkräfte und neun Anwärter. Darunter sind auch zwei junge Mütter. Die Ausbildung dauert drei Jahre, hier investiert Ausbildungsleiter Lukas Wurm sehr viel Zeit. Die Anwärter müssen die nötige körperliche Fitness und die richtigen sportlichen Voraussetzungen – Skifahren und Klettern– mitbringen. Aber auch schon mitten im Leben stehen und die nötige Reife mitbringen, ist eine wesentliche Anforderung. 2025 verzeichnete die Bergwacht Ramsau 153 Einsätze. Was ist ein typischer Einsatz? „Wir haben auf alle Fälle einen Einsatzschwerpunkt an der Watzmann Südspitze, vor allem am späten Nachmittag nach der Watzmann Überschreitung. Oft werden wir auch wegen internistischer Notfälle gerufen und eben bei Verletzungen und natürlich bei Abstürzen.“ Auch mit Kuriositäten müssen sich die Bergretter herumschlagen. So hätte sich eine Wanderin nach der Übernachtung im Watzmannhaus die Evakuierung von eben dort mit dem Hubschrauber vorgestellt (das wurde abgelehnt) und ein Radfahrer bat darum, die Bergwacht möge ihm doch einen Schraubenzieher bringen, da die Aufhängung für den Radanhänger locker ist (das auch).

Apell von Michael Renner

Mit Blick auf die bevorstehende Wandersaison richtet Michael einen klaren Appell an alle Bergsportler: „Bereitet Euch ordentlich auf Eure Tour vor und hinterfragt Euch kritisch, ob Ihr der Tour gewachsen seid. Checkt nicht nur Eure Wetter App sondern schaut auch in den Himmel. Tipp: Die Wettervorhersage vom DAV ist übersichtlich und mit einfacher Sprache gestaltet. Zu Beginn der Saison lauft Euch bitte warm. Vermeidet Altschneefelder. Dazu gehört auch die richtige Ausrüstung! Und wenn nun doch etwas passiert am Berg? „Dann wählt die 112 und beantwortet die Fragen des Leitstellendisponenten“. Und wenn das Handy keinen Empfang hat? „Eine Stelle suchen, an der man Empfang hat – vielleicht kommt jemand vorbei, den man schicken kann. Oder aber Trillerpfeife am Rucksatz nutzen oder Rufen, gerade in der Blaueisregion am Hochkalter kommt das immer wieder vor“, so Michael. Danach gilt es, den Patienten warm zu halten – auch im Hochsommer – und auf das Eintreffen der Bergwacht zu warten.

Wer die Bergwacht Ramsau unterstützen möchte, hier geht’s direkt zum Spendenkonto