Elektrisch auf den Kehlstein
von Blog-Autor Sepp Wurm
von Blog-Autor Sepp Wurm
Nach zwei Jahren Vorarbeit, zahlreichen Testfahrten und technischen Optimierungen ist es nun soweit: Die Busse auf den Kehlstein fahren elektrisch. Am Montag fand die offizielle Vorstellung der neuen Busse satt. Zahlreiche geladene Gäste aus Politik und Wirtschaft finden sich dazu am Betriebshof der RVO in Bischofswiesen ein.
Optisch unterscheiden sich die Busse kaum von ihren Verbrenner Kollegen, lediglich sechs Akkupakete auf dem Dach verraten die alternative Antriebsart. Es handelt sich um das Modell MAN Lion`s City E 12. Der Name verrät es: Der Bus wurde für die Stadt entwickelt, eignet sich durch seine kompakte Bauart und den kurzen Radstand aber auch sehr gut für die enge und steile Kehlsteinstraße. Lediglich die Hinterachse musste angepasst werden.
Der Bus im typischen RVO-Rot wirkt sehr modern und elegant, die knapp 15 Tonnen Leergewicht sieht man ihm nicht an.
Geladen werden die Busse übrigens auch im Betriebshof der RVO. Hier stehen in direkter Nähe zu einem Umspannwerk vier neue Hochleistungsladesäulen mit einer maximalen Ladeleistung von 200 kW. Der benötigte Strom kommt aus der Region: Stromversorger ist die Watzmann Natur Energie, die unter anderem die Photovoltaik Anlage auf dem AlpenCongress Berchtesgaden betreibt.
Nach der Begrüßung durch Andreas Datz, Niederlassungsleiter der RVO Berchtesgaden-Traunstein, erleben die Teilnehmer eine Premiere. Für viele von Ihnen ist es die erste Fahrt mit einem elektrisch angetrieben Bus. Mühelos erklimmt das 12 Meter lange, 2,55 Meter breite und 3,2 Meter hohe Gefährt die steile Salzbergstraße. Das nächste Etappenziel unserer heutigen Busfahrt ist die Abfahrtstelle der Kehlsteinbusse am Obersalzberg.
Empfangen werden die Gäste von den Musikanten der Klausbachmusi mit Ziach, Gitarre und Posaune.
Hier oben wartet auch schon die restliche elektrische Kehlsteinflotte. Insgesamt acht Exemplare werden ab sofort Passagiere auf den Kehlstein bringen.
Pater Fidelis von den Berchtesgadener Franziskanern und Pfarrer Dr. Josef Höglauer von der Evangelischen Kirchengemeinde Berchtesgaden, segnen die Busse.
Stefan Koy, Key Account Manager bei MAN, erklärt noch einige technische Details zu den Bussen, bevor die eigentliche Fahrt auf den Kehlstein beginnt.
Die Kehlsteinstraße überwindet auf einer Strecke von 6,5 Kilometern einen Höhenunterschied von 700 Metern. Markus Winkler steuert Bus Nummer 2. Er ist trotz seiner Jugend schon ein erfahrener Kehlsteinfahrer und zeigt sich begeistert von seinem neuen Arbeitsgerät.
Die Steilheit der Straße mit einer maximalen Steigung von 24% ist für den Bus dank einer Maximalleistung von 240 kW kein Problem. Das Gefälle in der Rückfahrt ist sogar ein großer Vorteil: Während der Bus in der Bergfahrt etwa zehn Prozent seiner Akkukapazität verbraucht, generiert er fünf Prozent in der Talfahrt wieder durch Rekuperation. Der 480kWh große Akku reicht also locker für einen ganzen Arbeitstag, der für einen Bus aus 8 bis 10 Fahrten besteht. Die Herausforderung für den Fahrer ist vielmehr die Enge der fünf Tunnels mit einer Gesamtlänge von 277 Metern und die Breite der Straße von stellenweise nur 4 Metern.
Leise und ruck frei überwinden wir die ersten Kilometer durch den Wald. Oberhalb der Ligoascht wird das Gelände schlagartig alpiner, die Bäume weichen den Felsen und der Blick aus dem Fenster weitet sich: Am Horizont erhebt sich der Watzmann, im Tal spiegelt der Königssee. Vor der beeindruckenden Kulisse von Göll und Brett machen die beiden Busse in der einzigen Kehre der Straße Halt.
Vorbei am Sappenkreuz geht es weiter bis zur Endstation: Die Buswendeplatte auf 1710 Metern Höhe ist die höchstgelegene Endhaltestelle einer Buslinie in ganz Deutschland.
Von hier führt ein Tunnel 124 Meter tief in den Berg hinein, wo wir den messingverkleideten Aufzug betreten.
Der Aufzug bringt uns ins Innere des Kehlsteinhauses. Dort erwarten uns bereits Kehlsteinhauswirt Norbert Eder und sein Team mit einem Gläschen Sekt oder Orangensaft für jeden.Mit dem Glas in der Hand plauschen die Gäste auf der Terrasse über die Fahrt, untermalt von den Klängen von drei Weisenbläsern.