Wo Sagen Gestalt annehmen
Beitrag von Blog-Autorin Christina Stanislaus
Beitrag von Blog-Autorin Christina Stanislaus
Heute mache ich einen nicht alltäglichen Ausflug in den Rupertiwinkel auf die Neubichler Alm. Dort findet gerade ein Symposion von insgesamt sechs Schnitz- und Bildhauerschulen aus Bayern und Österreich statt. Unter der Leitung der Schnitzschule Berchtesgadener Land bringen sie im Auftrag von Bergerlebnis Berchtesgaden die reiche Sagenwelt der Region in Form und Gestalt.
Am Weg dorthin verzaubert mich der Herbst in all seinen Facetten – wunderschön verfärbte Blätter an den Bäumen, die Nebelschwaden in den Niederungen und der Sonnenschein, der dort und da schon bis ins Tal herunterkommt.
Von der Ferne höre ich das Klopfen von Klüpfel auf Schnitzeisen, auch das Aufheulen von Kettensägen, gleich bin ich da: ein großes, offenes Gelände bietet den Schülerinnen und Schüler und deren drei Lehrer ausreichend Platz für die bildhafte Gestaltung von insgesamt acht Sagen aus Berchtesgaden.
Die Neubichler Alm ist die perfekte Umgebung für die Schülerinnen und Schüler. Bis zu 18 sind immer gleichzeitig vor Ort. Neben der handwerklichen Arbeit entsteht auch ein intensives Gemeinschaftsprojekt – mit gemeinsamem Kochen, Wohnen und dem Austausch zwischen den jungen Menschen aus Bayern und Österreich.
In dieser Woche sind gleich drei Schulen vor Ort: die Berufsfachschule für Holzschnitzerei und Schreinerei Berchtesgadener Land, die Fachschule für Kunsthandwerk und Design Elbingeralp (Tirol) und die HTBLA Hallstatt mit dem Zweig Bildhauerei haben Vertreter ihrer Abschlussklassen geschickt, die sich in der frischen Luft nun ganz dem Gestalten der Sagenfiguren widmen.
Als erstes schaue ich bei den Tirolern vorbei – unverkennbar, sie gestalten die Sage rund um König Watzmann und die Gespensterhunde vom Hundstod. Voller Begeisterung präsentieren sie mir ihre Werke. Lilo und die fünf Burschen haben seit Montag schon einiges geschafft, ich bin gespannt, wie die Endergebnisse dann ausschauen werden. Die Berchtesgadener Schnitzschüler sind bereits die zweite Woche da, Michael arbeitet an der Mühle des Funtenseer Teufels, Tilo schnitzt die noch nicht versteinerte Agnes.
Die Schülerinnen und Schüler haben sich im Vorfeld eingehend mit den Sagen beschäftigt und sich Szenen aus den unterschiedlichen Geschichten herausgegriffen, die sie künstlerisch umsetzen. Während die Berchtesgadener und Elbingeralper Schüler kleine Holzmodelle entwickelt haben, auf deren Basis sie nun die Figuren anfertigen, haben die Hallstätter Schüler Modelle aus Ton angefertigt. Auch sie sind mit Begeisterung bei der Sache.
Die ersten Figuren sind schon fertiggestellt, letzte Woche waren die Schüler der HTL Hallein hier. Am hinteren Ende des Platzes stehen ein Steinbock und ein Teufel. Bis Ende Oktober läuft das Symposium – wir freuen uns noch auf die Schülerinnen und Schüler der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer Bischhofsheim i.d. Rhön und der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer Oberammergau. Die Sagenfiguren werden anschließend zur Schnitzschule nach Berchtesgaden gebracht und auf Betonsockel montiert. Noch im Herbst werden die Figuren in der Region aufgestellt, die genauen Standorte werden natürlich rechtzeitig verraten!