Berchtesgadener War

Die Berchtesgadener Handwerkskunst

Das bekannteste Kunsthandwerk der Region ist die „Berchtesgadener War“: Die holzhandwerklichen Erzeugnisse werden damals wie heute in sorgfältiger Handarbeit gefertigt und bemalt.

Auch die „Arschpfeifenrössl“ – kleine Pferdchen mit Pfeife – gehören zur traditionellen Handwerkskunst der Region und schmücken im Mini-Format den Berchtesgadener Christbaum.

Spanschachteln, Holzspielzeug, Holzinstrumente

Die Berchtesgadener War

Bemalte Spanschachteln, Haushaltsgeräte und Kinderspielzeug aus Holz – das ist die Berchtesgadener War. In den Wintermonaten stellten arme Berchtesgadener Bauern diese Waren als Nebenerwerb her. In den schneefreien Monaten transportierten Hausierer – „Anton Adner“ ist der bekannteste unter ihnen – die Produkte zu Fuß nach Süden über die Alpen bis nach Venedig und nach Norden bis München, Nürnberg und Regensburg. Es handelte sich um sogenannte Pfennigware. Die Arbeitszeit spielte keine Rolle, entscheidend war allein der Wareneinsatz – und Holz war ausreichend vorhanden.

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts kauften sogenannte Verleger die „War“ an. Hausierer wie Anton Adner aus der Fürstpröpstei Berchtesgaden trugen sie in die Städte und benachbarten Länder und sicherten so den Einheimischen eine überlebensnotwendige Nebenerwerbsquelle.

1805 schnitzten und drechselten noch 641 Holzhandwerker an diesen Erzeugnissen, wenig später brach jedoch die Nachfrage nach dieser Volkskunst ein, unter anderem wegen des aufkommenden Blechspielzeugs.

Das Oaschpfeifirössl

Das Oaschpfeifirössl (bairisch für Arschpfeifenpferd) war der Exportschlager der Fürstpropstei Berchtesgaden, die bis 1810 als eigenständiger Kirchenstaat bestand. Ursprünglich als Spielzeug gedacht, erlebt die Berchtesgadener War seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein Revival als Christbaumschmuck. Seit 2010 begegnet Dir das Oaschpfeifirössl zudem als Wahrzeichen des Berchtesgadener Advents.

Die Kraxe der Berchtesgadener War im Museum Schloss Adelsheim

Im Museum Schloss Adelsheim kannst Du eine historische, bestückte Kraxe bestaunen, die etwa 80 Jahre alt ist. Auf ihr siehst Du Schachteln zur Aufbewahrung von Kleidung, Hut und Trachtenschmuck, aber auch für Lebensmittel. Für Lebensmittel nutzte man vorwiegend unbemalte Schachteln, für Kleidung und Schmuck die kunstvoll bemalten. Wichtig war ihre Funktion als Schutz vor Mäusen.

Dort entdeckst Du auch zahlreiche Haushaltswaren wie Kochlöffel, Butterhaferl und Holzquirl sowie Kinderspielzeug: Arschpfeifenrössl, Glocken, Vogerl, Schaukelreiter, Dockinnen, Hühnersteigen, Ratschen, Grillenhäuschen, Schepperl und vieles mehr.

Anton Adner: Der älteste Bayer mit 117 Jahren

Geboren etwa 1705, vertrieb Anton Adner als Hausierer die Berchtesgadener War bis über die Alpen nach Venedig, im gesamten Alpenraum und bis München, Regensburg und Nürnberg. Wie viele Hausierer seiner Zeit ging er strickend seiner Wege. Hauptsächlich wurden Socken gestrickt, da viele davon auf den weiten Wegen verbraucht wurden. Seine Kraxe trug Anton Adner mit einem Kopfpolster – ähnlich wie in asiatischen Ländern –, wodurch sich die Last besser verteilte.

Als einen der ältesten Bewohner seines Reiches lud König Max I. Joseph den betagten Berchtesgadener zur königlichen Hoffußwaschung ein. Am 9. April 1819 bestieg Adner, da er sich bereits in München aufhielt, den Turm der Frauenkirche mit seinen 486 Stufen und einer Höhe von 98 Metern.

Seit 1817 lebte er hauptsächlich von einer Leibrente König Maximilians, der auch seine ärztliche Versorgung sicherstellte, eine Pflegefamilie für ihn engagierte und sich rührend um den alten Mann kümmerte. Anton Adner starb am 15. März 1822 – im Alter von 117 Jahren. Sein Grab befindet sich im Alten Friedhof in Berchtesgaden.

Berchtesgadener Christbaum

Früher stand in den Stuben der einfachen Leute kein Christbaum. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts entstand bei Berchtesgadener Künstlern die Idee, das Holzspielzeug zur Rettung der heimischen Handwerkskunst an eine kleine Fichte zu hängen. Der Berchtesgadener Christbaum war geboren. 

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