Der Berchtesgadener Christbaum

Berchtesgadener War als Christbaumschmuck

Als es noch kein Spielzeug aus Plastik und anderen künstlichen Werkstoffen gab, war die Berchtesgadener War bei Kindern in aller Welt beliebt. Heute finden die bunten Holzminiaturen eine neue Verwendung als Christbaumschmuck für den Berchtesgadener Christbaum. Am bekanntesten ist das Arschpfeifenrössl, ein Holzpferd mit einer Pfeife als Schweif.

Der Berchtesgadener Christbaumschmuck

Die Holzminiaturen der Berchtesgadener War zeigen Arbeitsgeräte sowie Haushalts- und Stalleinrichtungen des bäuerlichen Lebens:

  • Bäuerliche Arbeitsgeräte für Haus, Hof und Wald: Leiterwagen, Hornschlitten, Radltruhe, Radlbock (Schubkarre), Langholzschlitten, Hackstock, Schleifstein, Tengelbock, Sägebock
  • Bäuerliche Haushaltsgeräte: Butterfassl, Schaffl, Salzschaffl, Spanschachtel
  • Bäuerliche Aussteuer: Wäscheschrank
  • Bäuerlicher Wirtschaftsbereich: Werkzeugkiste, Hühnersteige
  • Kinderspielzeug: Arschpfeifenrössl (ältestes Berchtesgadener Holzspielzeug für Buben), Schaukelpferd, Kreisl-Mandl, Dockin (Holzpuppe), Grillenhäusl
  • Teile der Puppenstube: Truhe, Buffet, Bett, Nachtkastl, Tisch, Stuhl, Bank
  • Transportmittel: Kopfkraxe (Traggestell, mit dem Anton Adner die Berchtesgadener War feilbot), Salzwagen (für Steinsalz aus dem Berchtesgadener Bergwerk)

In den letzten Jahren wurde das Sortiment um weitere Miniaturen erweitert, zum Beispiel um kleine Bierkisten, die sich bei den Einheimischen besonderer Beliebtheit erfreuen.

Die Berchtesgadener War gehört zur traditionellen Handwerkskunst

Seit dem Erlass der Handwerksordnung 1535 wurden in Berchtesgaden verschiedenste Holzwaren hergestellt. Die Bauernfamilien besserten damit ihr kärgliches Einkommen auf. Hergestellt wurden vor allem einfache, hölzerne Spielwaren und Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs wie Löffel, Geschirr oder Truhen. Schon bald wandten sich begabte Handwerker anspruchsvolleren Aufgaben zu: Musikinstrumente wie das Berchtesgadener Fleitl (Holzflöte) und später auch das bekannte Alphorn aus Berchtesgaden zeugen von dieser hohen Handwerkskunst.

Die sogenannte „Perchtsgadner Waar“ – heute „Berchtesgadener War“ genannt – wurde zum Markenartikel ihrer Zeit. Tüchtige Verlegerfamilien unterhielten ab dem 16. Jahrhundert internationale Handelsniederlassungen, später auch Messen, wobei der Verkauf von Spielwaren eine bedeutende Rolle spielte. Die schmucken Bürgerhäuser im Markt Berchtesgaden zeugen noch heute von dieser fürstlichen Zeit der Propstei Berchtesgaden – dem kleinsten, aber wohl schönsten deutschen Ländchen, wie viele bedeutende Maler und Schriftsteller bekundeten.

Das in aller Welt beliebte Spielzeug mit seinen bunt bemalten Rössln, Docken (Holzpuppen), Miniaturmöbeln, Vögeln, Pfeiferln und Gebrauchsgegenständen bezeugt die unverfälschte Tradition dieser liebevollen Kleinarbeit. Selbst Leopold Mozart komponierte mit seiner „Kindersinfonie“ eine Lobeshymne auf die Berchtesgadener War, in der das Pfeiferl einen Soloplatz einnimmt.

Im Kleinhandel waren es die sogenannten Kraxenträger, die ihre Berchtesgadener Ware auf dem Rücken weit über das Land hinaus feilboten. Anton Adner, der bekannteste von ihnen, erreichte das biblische Alter von 117 Jahren. Seit 1924 zeigt das Berchtesgadener Heimatmuseum, das Museum Schloss Adelsheim, eine breit gefächerte und umfangreiche Sammlung dieser liebevoll hergestellten Holzerzeugnisse. Noch heute werden die Holzwaren nach den 1872 erlassenen Richtlinien gefertigt. Kunstvoll bemalte Spanschachteln in unterschiedlichsten Motiven und Größen begeistern weiterhin Gäste und Einheimische. All das findest der Interessierte direkt im Ortskern von Berchtesgaden im Laden der Berchtesgadener Handwerkskunst.

Mit der Industrialisierung schien die Lebensweise vorangegangener Jahrhunderte zu erlöschen. In Berchtesgaden hatte der Kunstmaler Anton Reinbold eine außergewöhnliche Idee, um dem rückläufigen Absatz entgegenzuwirken: 1913 schmückte er den in dieser Region bis dahin kaum bekannten Fichten- oder Tannenbaum mit der Berchtesgadener War. Der Berchtesgadener Christbaum war geboren. Beliebt bei Alt und Jung verkündet er seit mehr als hundert Jahren die Frohbotschaft von der Geburt Jesu Christi.

(Franz Schned, Kreisheimatpfleger)

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