Hans Brandner und seine Schaberbandl

Der gemeinsame Nenner von Palmsonntag und Almabtrieb

Von Blog-Autorin Claudia Schülein

Der Schönauer Hans Brandner stellt Schaberbandl her

Irgendwann konnte Hans Brandner die Klagen nicht mehr hören. „Da hab‘ ich angefangen, sie selbst herzustellen,“ erzählt er. Wofür es einst noch mehrere Hersteller gab, findet sich in den Berchtesgadener Tälern nur noch ein Anderer, der diese aufwendige Handarbeit macht. Sie erfordert viel Zeit und Konzentration. Wir sprechen von den sogenannten Schaberbandln. Die etwa zwei bis drei Zentimeter breiten und 1/10 bis 12/100 Millimeter dünnen Holzbänder in leuchtenden Farben sind begehrte und unentbehrliche Grundlage für zwei wichtige Termine im Kalender der Berchtesgadener Bauern.

  • Schaberbandl

Der Hans wäre nicht der Hans, wenn er nicht für die Schaberbandl-Produktion gleich eine neue Maschine gebaut hätte. Dafür ist der gelernte Elektriker und Maschinen-Tüftler aus Schönau a. Königssee bekannt: Was auch immer für Arbeitsschritte in seiner Werkstatt mechanisiert werden können – Hans entwickelt das richtige Gerät dafür. Und so hobelt die schnaufende Maschine in blitzschnellen Bewegungen hauchdünne Streifen von einem passend zugeschnittenen Stück Fichten- oder Tannenholz. Die Streifen rollen sich sofort zusammen und landen in einem Auffangbehälter. 28 Mal geschieht das, bevor die „Schaberbandlhobelmaschine“ eine Pause einlegt – 28 Bandl befinden sich nämlich in einem Bund. Das Holz muss fehlerfrei und eben sein, sonst gibt es Risse in den feinen Hobelspänen.

  • Hans Brandner bei der Herstellung der Schaberbandl
  • Die Schaberbandl vor der Färbung
  • Hans Brandner bei der Herstellung der Schaberbandl

Der nächste Arbeitsschritt hätte der Schaberbandl-Produktion vom Hans fast den Garaus gemacht: “Die Bandl müssen einzeln gebügelt werden. Das dauert pro Bund ungefähr sieben bis acht Minuten,“ erklärt er. „Wenn meine Schwiegertochter nicht gesagt hätte, sie übernimmt das, hätte ich die Produktion einstellen müssen.“

Auch bis Hans das gewünschte Farbergebnis erreicht hatte, war einiges an Ausprobieren, Basteln und Lernen angesagt. „Anfangs habe ich völlig sorglos mit der Beize hantiert. Da hat der Apotheker von nebenan mir dann auch nicht mehr helfen können und ich hatte wochenlang farbige Bratzn. Seitdem trage ich dicke Gummihandschuhe,“ lacht der über 70-Jährige. Mittlerweile hat Hans eine adäquate Methode gefunden, damit sich neun gleichmäßige und kräftige Farben ergeben. „Das schöne Rosa mache ich extra für die Funtenseer. Es passt perfekt zum Schürzl und Schultertuch der Dirndln.“ bekennt Hans seine Verbundenheit mit den lokalen Trachtenverein.

  • Werkbank von Hans Brandner
  • Die Schaberbandl vor der Färbung
  • Hans Brandner zeigt seine Schaberbandl

Aber was geschieht denn nun überhaupt mit den vielen Schaberbandln, die Hans und seine Schwiegertochter pro Jahr herstellen? Viele fleißige Hände braucht es im Frühling, um daraus kurz vor Ostern Ziahmusin, Ballein oder Ohrein und Lockein zu formen. Dafür sollen sie besonders dünn gehobelt sein. Ein Jedes für sich ist ein kleines Kunstwerk und ziert den Palmbuschen zum Palmsonntag, eine Woche vor dem Ostersonntag. Der Palmbuschen wird im Gottesdienst geweiht. Als erster Farbtupfer des Frühlings und Segen gegen Krankheit und Unwetter, sowie für eine gute Ernte wird er aufs Feld gesteckt. Ein Kleiner findet im Herrgottswinkel der Bauernstube seinen Platz und auch für die Gräber von verstorbenen Familienmitgliedern wird einer bereit gehalten.

  • Hans Brandner und seine Schaberbandl
  • Schaberbandl

Die "Fuikln"

Im Sommer werden in Hans‘ Werkstatt etwas dickere Schaberbandln hergestellt. Für den Almabtrieb möchten die Bauern nämlich stabileres Material, damit die Rosen und Sterne im Kopfschmuck der Kühe und Kälber nicht zusammenfallen, sondern gut halten. 30 bis 40 Arbeitsstunden steckt eine Sennerin oder der Bauer im Tal in eine sogenannte Fuikl. Dazu werden die Äste einer kleinen Tanne oder Fichte gebogen und festgebunden, so dass je nach Größe der Fuikl zwei bis vier kugelförmige Kronen mit bis zu 200 Rosetten entstehen. Ist der Sommer auf der Alm unfallfrei verlaufen, werden Kühe und Kälber gekranzt. Es wirkt tatsächlich so, als ob die Tiere stolz seien, wenn sie so farbig und reich geschmückt den Weg in den heimatlichen Stall im Tal antreten – ein herrlicher Anblick.

„Ich möchte meinen Beitrag leisten, unser Brauchtum lebendig zu erhalten.“ bekräftigt Hans sein Anliegen. Da geht schon die Tür auf – der Frühling naht und die Bäuerin braucht Material für die Vorbereitungen zum Palmsonntag. „So ists recht.“ brummt Hans und öffnet den Schrank, aus dem seine Schaberbandln strahlend bunt herausleuchten.