Rupertigau-Preisschnalzen
An dieser Brauchtumsveranstaltung, mit einem Festzug als Auftakt, beteiligen sich mehr als 1700 aktive Schnalzer aus Salzburg und Bayern. Sieben Preisrichter beurteilen nach einem ausgeklügelten Punktesystem die Leistung jeder Passe. Sie hören die Schnalzer, dürfen sie aber nicht sehen, um niemanden bevorzugen oder benachteiligen zu können. Bewertet wird der gleichmäßigem Takt und die Lautstärke. Die beste und die schlechteste Bewertung bleiben jeweils unberücksichtigt. Am Rand des Geschehens stehen meist "Schnalzerlegenden", die fachmännisch jede Passe beinhart kommentieren. Zum Unterschied der Vorkriegszeit fließt heute beim Preisschnalzen die Pflege der bodenständigen Trachtenkleidung nicht mehr mit in die Beurteilung ein. Einer Dämonenaustreibung gleich, hören sich der "Generalpasch" und das "Durcheinander" an, die den Abschluss eines jeden Gemeinde- oder Ruperti-Gaupreisschnalzens bilden. Das Besondere daran ist, dass alle Teilnehmer gleichzeitig schnalzen. Der aufmerksame Beobachter kann dabei mitunter auch seltsame Dinge feststellen. So kam es vor, dass die Schnalzerwiese plötzlich von einer Unmenge Würmern belegt war - und das mitten im Winter.
In Salzburg wurde das erste Preisschnalzen 1936 in Maxglan durchgeführt. Die besten Ergebnisse wurden bis dato in den Jahren 1986 und 2001 erzielt. Schnalzerpassen aus Gois und Siezenheim hatten damals von 200 möglichen Punkten 196 erhalten. Als Preise gibt es Urkunden und Bierkrüge, die in den Gaststuben an gut sichtbarer Stelle verwahrt werden. Der Siegerpasse wird darüber hinaus für ein Jahr die begehrte Wandergoaßl übergeben.Früher war der Wettbewerbscharakter nicht so ernst genommen worden wie heute. Wichtig war vielmehr der Brauch, von einer Ortschaft zur anderen hinzuschnalzen, was meistens einen oder mehrere Doppelliter Bier einbrachte. Heute genießen bei intakten Schnalzergruppen, Schnalzerstammtisch, Schnalzerstüberl, Schnalzerausflug, Schnalzerball, insbesondere aber der so genannte Schnalzermontag, hohe gesellschaftliche Bedeutung. Schließlich werden - wenn im Jahreskreis das Aperschnalzen an der Reihe ist - alle persönlichen Interessen und Aktivitäten anderer Vereine weit hintangestellt.
Zur Erhaltung des heimatlichen Brauchtums - wie der Pflege des Aperschnalzens - wurde 1957 die "Schnalzervereinigung Rupertiwinkel eV." mit Sitz in Saaldorf gegründet. In Bayern gibt es Schnalzergruppen, im Flachgau und auch in der Stadt Salzburg gibt es Schnalzergruppen, so z. B. in Anthering, Bergheim, Gois, Liefering, Loig, Maxglan, Muntigl, Siezenheim, Steindorf, Viehhausen und Wals. Letztere ist mit sechs allgemeinen Passen und zwei Jugendpassen der mitgliederstärkste Schnalzerverein im Rupertigau. Volkskundliche Abhandlungen über den Brauch des Aper- oder Faschingsschnalzens haben u.a. SR Karl Adrian, Dr. Karl Zinnburg und Dr. Michael Becker verfasst. „Ent" und „herent" haben Mundartdichter alles, was sich rund um das Aperschnalzen tut, in trefflichen Versen festgehalten. Außerdem gibt es ein Schnalzerlied und einen Schnalzermarsch. In jüngerer Zeit wurden auch Schnalzerdenkmäler errichtet: 1987 wurde in Loig die Schnalzerkapelle und ein Jahr später in Saaldorf der Schnalzerbrunnen eingeweiht. 1993 wurde den Aperschnalzer von der österreichischen Post sogar eine Sonderbriefmarke gewidmet.
Quelle: Ernst Müller, Gois