Kühe auf den Landauern
Der Almabtrieb über den KönigsseeGroße Transportschiffe mit ebenem Boden und flachem Zustieg, sogenannte Landauer, transportieren im Frühsommer die Kühe und Almleute von der Seelände ans Ostufer des Königsees, wo die Kühe etwa 100 Tage verbringen und die saftigen Weideflächen an den Ufern von Königssee und Obersee abgrasen.
Früher wurden die Kühe über den Königssee gerudert. Doch schon seit 100 Jahren bringt sie der sanfte Schub von Motoren nach Hause. Die etwa 30 Kühe, die von den Almen am Südufer des Königssees und des Obersees zurückkehren, sind im gesamten Alpenraum die einzigen mit einstündigem Bootstransfer auf dem Weg zum heimischen Stall.
„Ob die Kühe auf einen Viehtransporter steigen oder aufs Boot – das macht von der Aufregung her keinen Unterschied“, sagt Max Hofreiter, einer der drei Bauern, die ihre Kühe zur Sommerfrische auf die Almen rund um Königssee und Obersee schicken. Beim Bootstransfer – übrigens in den klassischen, hölzernen Landauern der Königssee-Schifffahrt – sei noch nie etwas passiert. Was allerdings schon vorkomme: Dass einmal eine Kuh abstürzt oder ein totes Kalb auf der Alm geboren wird. „Dann ist nichts mehr mit Schmücken“, sagt Max Hofreiter. Dann war die ganze Arbeit umsonst.
Denn ab 24. August, dem Namenstag des Heiligen Bartholomäus, legen die Bauern Nachtschichten ein. Rund 60 Stunden dauert es, bis eine „Fuikl“ fertig ist – der Königsschmuck für die Kühe aus Fichtenbäumchen, deren Zweige gebunden und aufwändig mit handgearbeiteten Blumen und Rosetten verziert werden. „Das Jungvieh bekommt Latschenbuschen – für die braucht man etwa zehn Stunden“, so Hofreiter, der von langen Nächten zu berichten weiß. Geschmückt werden die Tiere erst, wenn sie den Bootstrip hinter sich und wieder festen Boden unter den Füßen haben. Und nur, wenn der Almsommer glücklich verlaufen ist.