Die Schlafende Hexe
Es ist bestimmt tausend Jahre her, dass im Lattengebirge eine Hexe in der Einsamkeit der Berge hauste, mit Echsen und Dohlen als ihren Haustieren. Sie war eine teuflisch böse Hexe.
Zwar kamen die jungen Burschen und Mädchen, um sich von ihr Liebestränke zu holen, denn ihr Wissen um die Zauberkraft der Wildkräuter war groß. Doch die Einwohner der Berchtesgadener Täler fürchteten sie sehr wegen ihres hässlichen Aussehens und ihres diabolischen Verhaltens. Die Hexe hasste die Christen und ließ Steine auf die Pilger herabrollen, die über den Hallthurmpass zum Grab des heiligen Zeno zogen.
Als der Gottesmann Martinus den Pass überquerte, wollte sie auch ihn mit einem Felsblock treffen. Doch Martinus hielt ihr ein Kreuz entgegen. Da bebte das Gebirge, ein Donner hallte, und die Hexe wurde zu Stein verwandelt.
Noch heute schauen die Menschen gen Hallthurm und sehen sie ganz deutlich, wie sie da liegt, die böse Hexe – mit dem ins Tal fallenden, langen Haar, der hohen Stirn, der langen, krummen Nase und dem spitzen Kinn. Fürchten tut sich heute kaum noch jemand vor der Hex'. Sie ist mittlerweile im Gegenteil als reizvolles Ziel für Wanderer sehr beliebt.