Bartgeier Wally kreist über dem Klausbachtal

Bartgeier

Bartgeier-Projekt geht ins sechste Jahr

Der LBV und der Nationalpark Berchtesgaden haben am 24. Juni 2026 zwei junge Bartgeier im Klausbachtal ausgewildert. Die Vögel tragen die Namen Alosa und Zierli. Seit dem Start des Projekts im Jahr 2021 wurden damit insgesamt zwölf Bartgeier in den Berchtesgadener Alpen freigelassen. Ziel ist es, die Bartgeier dauerhaft in den Ostalpen anzusiedeln und die Alpenpopulation zu stärken.

Die beiden Jungvögel stammen erstmals aus Belgien und Frankreich und wurden im Rahmen des europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) großgezogen. Während Alosa nach einer Naturschutzstiftung benannt wurde, erinnert Zierli an den ersten Nationalparkleiter Dr. Hubert Zierl.

In den kommenden Wochen entwickeln sich die noch flugunfähigen Geier ohne direkten Menschenkontakt in ihrer Felsnische. Nach etwa drei Wochen werden die ersten Ausflüge erwartet. Bereits ausgewilderte Bartgeier könnten die Jungvögel besuchen und ihnen Orientierung geben. Das Projekt läuft voraussichtlich bis 2030 weiter und soll eine selbstständig überlebensfähige Bartgeierpopulation in den Nordostalpen etablieren.

Toni Wegscheider
Florian Warnecke
Toni Wegscheider, Biologe und Vorsitzendender der örtlichen Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz e.V.

Junge Bartgeier haben Streifgebiete von leicht einmal 10.000 Quadratkilometern, was mehr als dem doppelten des gesamten bayrischen Alpenraums entspricht. Irgendwo dort werden sich die Geier dann nach einigen Wanderjahren hoffentlich niederlassen und mit der Gründung von Revieren beginnen.

Details zum Bartgeier

  • Gypaetus barbatus

  • 100 bis 115cm, Spannweite 240 bis 290cm

  • Gebirge und Hochplateaus oberhalb der Baumgrenze

  • bis in die höchsten Höhen

  • Die Spannweite des Bartgeiers ist größer als die des Adlers. Früher wurde dieses Tier als Fressfeind des Menschen bezeichnet und beinahe ausgerottet.

Namen für die neuen Bartgeier

„Alosa“ und „Zierli“ neu im Klausbachtal

Das Weibchen „Alosa“ hat am 20. März im französischen Zuchtzentrum Asters das Licht der Welt erblickt. Ihr Name steht für die Artenschutzbemühungen der gleichnamigen Naturschutzstiftung, die das Bartgeierprojekt seit vielen Jahren maßgeblich unterstützt. Der zweite Jungvogel schlüpfte am selben Tag im belgischen Tierpark Pairi Daiza und wurde als Ammenvogel an den französischen Zoo Beauval weitergegeben, wo er von einem erfahrenen Bartgeiermännchen großgezogen wurde. Der Vogel hat zu Ehren von Dr. Hubert Zierl den Namen „Zierli“ erhalten. Dr. Zierl war von 1978 bis 2001 der erste Leiter des Nationalparks Berchtesgaden und feierte heuer seinen 90. Geburtstag. Erst in ein bis zwei Wochen wird nach Auswertung eines Bluttests bekannt sein, ob es sich hierbei um einen männlichen oder weiblichen Vogel handelt.

Aufstieg in die Auswilderungsnische

Nach dem Festakt setzten die Nationalpark- und LBV-Mitarbeitenden die beiden noch nicht flugfähigen Junggeier in Tragekisten und trugen sie den Berg zur Auswilderungsnische hinauf. „Nach dem geglückten Aufstieg haben wir die beiden Geier in Nester aus Fichtenzweigen und Schafwolle gesetzt. Anschließend haben wir den Vögeln die GPS-Sender angelegt, sie noch einmal untersucht und in der Nähe erstes Futter aus Rehknochen platziert. Direkt danach haben wir uns zurückgezogen, um den Geiern eine gute Eingewöhnung in ihre neue Heimat zu ermöglichen“, erklärt LBV-Projektleiter und Bartgeierexperte Toni Wegscheider.

In der 1.300 Meter hoch gelegenen Felsnische werden die 88 Tage alten Bartgeier von nun an ohne menschlichen Kontakt weiter aufwachsen und ihre Flügel trainieren. In den kommenden Monaten werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Vögel rund um die Uhr von einem nahegelegenen Beobachtungsplatz aus sowie mithilfe in der Auswilderungsnische installierter Infrarotkameras und eines Livestreams überwachen. „Die durchgehende Beobachtung ermöglicht uns, Unregelmäßigkeiten sofort zu erkennen. So können wir den beiden Vögeln einen optimalen Schutz bieten“, sagt Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel. Das Auslegen von Futter ohne direkten menschlichen Kontakt erfolgt je nach Bedarf im Abstand von mehreren Tagen. Der selbständige erste Ausflug der beiden Vögel dürfte nach ausgiebigen Flugübungen in etwa drei bis vier Wochen stattfinden.


Bartgeierprojekt zeigt Wirkung: Wildvögel und Rückkehrer im Alpenraum

Die ersten der in den Vorjahren ausgewilderten Bartgeier sind von ihren langen, und für die Art typischen Wanderungen bereits in die Region des Nationalparks zurückgekehrt. Ob Nepomuk, Recka oder Bavaria: Immer wieder werden die imposanten Vögel gesichtet. Selbst wild geschlüpfte Bartgeier aus dem Alpenraum werden mittlerweile regelmäßig in den Berchtesgadener Alpen nachgewiesen. „Wir erwarten in den nächsten Jahren die Bildung von ersten Brutpaaren und die Hoffnung wächst, dass in absehbarer Zeit das erste Bartgeierküken seit über 140 Jahren in Bayern schlüpfen könnte“, so Toni Wegscheider.

Zur Bartgeier-Webcam

  • Bartgeiernische Halsgrube
  • Bartgeiernische Halsgrube

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Das Projekt zur Wiederansiedelung des Bartgeiers

Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) zählt mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern zu den größten, flugfähigen Vögeln der Welt. Anfang des 20. Jahrhunderts war der majestätische Greifvogel in den Alpen ausgerottet. Im Rahmen eines großangelegten Zuchtprojekts werden seit 1986 im Alpenraum in enger Zusammenarbeit mit dem in den 1970er Jahren gegründeten EEP (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm) der Zoos junge Bartgeier ausgewildert. Das europäische Bartgeier-Zuchtnetzwerk wird von der Vulture Conservation Foundation (VCF) mit Sitz in Zürich geleitet. Während sich die Vögel in den West- und Zentralalpen seit 1997 auch durch Freilandbruten wieder selbstständig vermehren, kommt die natürliche Reproduktion in den Ostalpen nur schleppend voran. Ein vom bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogelschutz) und dem Nationalpark Berchtesgaden gemeinsam initiiertes und betreutes Projekt zur Auswilderung von jungen Bartgeiern im bayerischen Teil der deutschen Alpen greift dies auf und unterstützt in Kooperation mit dem Tiergarten Nürnberg die alpenweite Wiederansiedelung. Dafür werden in den kommenden Jahren im Klausbachtal junge Bartgeier ausgewildert – im Jahr 2021 erstmals in Deutschland. Der Nationalpark Berchtesgaden eignet sich aufgrund einer Vielzahl von Faktoren als idealer Auswilderungsort in den Ostalpen.