Die versteinerten Jäger vom Staufen
Zwei Jäger stiegen einst lange vor Tagesanbruch mühsam hinauf auf den Staufen. Als sie sich etwas ausruhten, hörten sie unten im Tal das Kirchenglöcklein von Piding zur Frühmesse läuten. Obwohl sie den Klang klar vernahmen, stopften sie sich eine Pfeife, putzten ihre Büchse und ließen sich den Branntwein schmecken – statt zu beten. Als das Glöcklein erneut erklang, verhöhnten sie es sogar lachend.
Sie gingen weiter und erblickten in einem Graben einen starken Gamsbock, den sie unbedingt erlegen wollten. Beide legten an und schossen. Doch statt ihre Beute getroffen zu haben, hallte der Schuss in den Bergen wie grollender Donner, dass der Boden unter ihren Füßen erbebte.
Erschrocken blickten sie auf den Gamsbock. Was sie sahen, trieb ihnen die Haare zu Berge: Das Tier schien plötzlich zu wachsen, wurde immer größer und verwandelte sich in den leibhaftigen Teufel. Seine Augen glichen Feuerrädern, und die Gamskrickeln wurden zu riesigen Hörnern.
Die Jäger riefen zu Tode erschreckt um Gottes Gnade und begannen zu laufen. Doch ihre Füße wurden immer schwerer, und sie kamen nicht von der Stelle. Dichter Nebel zog auf, der Himmel umdüsterte sich, und dröhnende Donnerschläge erschütterten den Berg. Als sich der Himmel endlich wieder aufhellte, waren die beiden Jäger in Stein verwandelt.