Steinbock im Hagengebirge
Toni Wegscheider

Der Steinbock

Der Alpensteinbock im Nationalpark Berchtesgaden

Der Steinbock ist ein geschickter Kletterer, der in den 1930er Jahren zu Jagdzwecken wieder in den Berchtesgadener Bergen angesiedelt wurde, nachdem er im ausgehenden Mittelalter bis zum letzten Exemplar gejagt wurde. Sein imposantes gebogenes Gehörn kann eine Länge von bis zu 1 Meter erreichen.

Details zum Steinbock

  • Capra Ibex

  • 130 bis 150cm

  • Hochgebirge

  • oberhalb der Baumgrenze

  • Ein geschickter Kletterer, der in den 30er Jahren wieder in Berchtesgaden angesiedelt wurde und seither auch hier lebt. Aktuell geht man von etwa 150 Exemplaren des Tieres im Nationalpark Berchtesgaden aus.

Der Steinbock in Berchtesgaden

Die ursprüngliche Population der beeindruckenden Wildziegen wurde bereits im ausgehenden Mittelalter massiv durch offizielle Jagd und Wilderei gleichermaßen reduziert. Der Steinbock galt als wandelnde Apotheke und unter anderem seinem Gehörn, den Magensteinen und dem Herzkreuz, einer kreuzförmig verknöcherten Sehne am Herzen, wurden allerlei Wunderwirkungen nachgesagt.

Die Auseinandersetzungen zwischen Jägern und Wilderern um diese begehrte Beute gipfelten so oft in Blutvergießen und Morden aus dem Hinterhalt, dass letztlich ein Salzburger Erzbischof den Totalabschuss der Steinböcke befahl, um den Gewalttätigkeiten ein Ende zu setzen.

Erst im Jahr 1920 wurde im Salzburger Blühnbachtal der Versuch gestartet, dieses Wild wieder im Hagengebirge heimisch zu machen. Auf deutscher Seite begann die Wiederansiedlung im Jahr 1936 auf einen Erlass von Reichsjägermeister Herman Göring hin, der dieses „urdeutsche Wild“ wieder heimisch machen und letztlich auch wieder erlegen wollte. Mit immensem finanziellem und personellem Aufwand wurde in der Nähe der Wasseralm in der Röth ein 15 Hektar großes Gehege errichtet, und sogar eine eigene Seilbahn zum Transport der Tiere von der hinteren Fischunkelalm hinauf zum Landtalsteig gebaut.

Aus der Schweiz wurden dann die ersten vier Steinböcke – drei Geißen und ein Bock – geliefert. Es ging in Holzkisten per Schiff über den Bodensee, mit dem Zug nach Berchtesgaden, auf weiteren Schiffen über Königssee und Obersee und schließlich mit Hilfe der Seilbahn und kräftiger Träger zum Gehege. Dessen Standort in der Röth war jedoch schlecht gewählt. Die Gegend ist bekannt für ihre großen Schneemengen, heute hält sich dort kein Steinwild auf. Letztlich mussten die Tiere jeden Winter mit Heu durchgefüttert werden, da sie nicht in schneearmem, felsigem Gelände Nahrung suchen konnten. Vier Jäger wurden eigens für diese Arbeit abgestellt, die das Heu per Seilbahn hinaufbefördern und immer wieder den gefährlichen Auf- und Abstieg mit den Schiern bewältigen mussten.

Wegen des ungünstigen Gehegestandortes und weil die Tiere auf engem Raum mit Parasiten und Krankheiten zu kämpfen hatten, wuchs der Bestand in den Folgejahren kaum an. Mehrfach wurden weitere Steinböcke dazugebracht, jedoch ohne besonderen Erfolg. Die Geburt des ersten Kitzes im Jahr 1938 wurde fast als nationales Ereignis gefeiert, allerdings blieb die Geburtenrate bis 1944 sehr dürftig – nicht einmal ein Kitz pro Jahr. Erst dann hatte man ein Einsehen und öffnete das Gatter, damit die Tiere sich ihren eigenen Lebensraum suchen konnten. Bald kam es zur Vermischung mit den angesiedelten Salzburger Steinböcken und der grenzübergreifende Bestand wuchs im Lauf der folgenden Jahrzehnte auf die bis heute recht stabile Zahl von etwa 150 Tieren an.

Glücklicherweise wird dieses schöne Wild heute auf bayrischer Seite im Nationalpark Berchtesgaden nicht bejagt. Im nahen Österreich gibt es hin und wieder einige wenige Abschüsse, die jedoch kaum Einfluss auf den Gesamtbestand haben. Daher kann man nun auf Bergtouren zwischen Schneibstein und Funtenseetauern mit großer Wahrscheinlichkeit auf verstreute Rudel der stattlichen Hornträger stoßen.

Text © Toni Wegscheider