Nina Schlesener

Vorsitzende des Vereins Berchtesgadener Bergführer

Von Blogautor Sepp Wurm

140 Jahre hat der Berchtesgadener Bergführerverein Bestand – und heute steht an seiner Spitze eine Frau. Und eine ganz besondere noch dazu. Es ist Nina Schlesener.

Nina wuchs auf dem Schneibsteinhaus auf. Ihre Eltern bewirtschafteten die Berghütte über viele Jahre. Von Kindesbeinen an spielte sie inmitten der Berchtesgadener Alpen und kannte bald jeden Gipfel rund um die Hütte. Ihre Begeisterung für die Berge wuchs mit den Jahren.

Von der Sennerin zur Bergführerin

Der Berufswunsch „Bergführerin“ wurde durch die täglichen Begegnungen mit den Bergführern, die auf der Hütte übernachteten und am Morgen ihre Gäste auf Klettertouren mitnahmen, nur noch stärker. Doch die Berge hatten für Nina noch mehr in petto. Mit 18 Jahren entdeckte sie das Klettern, und die Leidenschaft für steile Felswände hat sie seitdem nicht mehr losgelassen. Auf ihrem Weg zur Bergführerin bleibt Nina geerdet und der Heimat verbunden. Einen Sommer lang arbeitet sie als Sennerin auf der Alm, wo sie sich um 17 Kühe kümmert, deren Milch sie zu Käse und Butter, verarbeitet und sowohl Einfachheit wie auch harte Arbeit des Almlebens kennenlernt. Gleichzeitig verfolgt sie weiter zielstrebig ihren Traum: In einer rekordverdächtigen Zeit von nur zwei Jahren beendet Nina 2011 ihre Ausbildung und wird mit 27 Jahren Deutschlands jüngste Bergführerin.

Bergführerin, Industriekletterin, Mutter

Heute ist die einzige Berchtesgadener Bergführerin eine von nur etwa 20 weiblichen Bergführern in ganz Deutschland – das entspricht gerade einmal vier Prozent. Neben ihren Sommer- und Wintertouren arbeitet Nina auch als Industriekletterin in München. Dort verschafft sie sich mit komplexen Seiltechniken Zugang zu schwindelerregenden Höhen, wo keine Gerüste oder Hebebühnen hinkommen. Ihre Aufgabe reicht von Höhenarbeiten an Fassaden bis hin zu Einsätzen in engen Schächten – ein Beruf, bei dem sich Nina voll und ganz auf ihre Fähigkeiten verlassen kann, die sie als Bergführerin erlernt hat. Zu Hause in Berchtesgaden dient Nina Yoga als Ausgleich zur Arbeit. Sie bietet auch Kurse in der Natur an, zum Beispiel am Stöhrhaus oder auf Kühroint, wo ihre Teilnehmer lernen, wie die geistige und körperliche Stärke des Yoga den alpinen Sport bereichern kann. Für Nina ist Yoga der perfekte Ausgleich zum Bergsteigen – es fördert Beweglichkeit, löst Verspannungen und stärkt die mentale Konzentration, die bei anspruchsvollen Touren oft entscheidend ist. Seit 2023 ist Nina nun die erste Vorsitzende des traditionsreichen Berchtesgadener Bergführervereins und repräsentiert damit die neue Generation eines Traditionsberufes. 2024 wurde sie zudem Mutter des kleinen Laurenz. Zusammen mit ihrem Mann Thomas lebt Nina auf einem Bauernhof in Ramsau. Der ideale Ort für eine Bergführerin, denn nirgendwo in Deutschland gibt es pro Kopf mehr Bergführer als in Ramsau, dem Dorf in Berchtesgaden, das 2015 offiziell zum ersten Bergsteigerdorf Deutschlands gekürt wurde

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