Bitte alles einsteigen! Ihr Urlaub beginnt!
Von Blog-Autorin Claudia Schülein
Von Blog-Autorin Claudia Schülein
Wenn ich meine Fahrgäste pünktlich und entspannt ans Ziel gebracht habe – das freut mich jeden Tag am meisten.
Im Urlaub flexibel mobil sein und das ohne lästige Parkplatzsuche und nervenaufreibende Staus? Das geht – klar! Nutzen Sie schon bei der Anreise den Zug und setzen Sie auch während Ihres Aufenthalts auf sanft-mobile und öffentliche Verkehrsmittel. Und wer in Berchtesgaden Eisenbahn fährt, dem wird das Ticket vielleicht direkt von Claudia Pattberg entwertet. Sie ist Zugbegleiterin bei der Bayerischen Regiobahn (BRB) und hat bei der Arbeit nicht nur ihre Liebe zum Zugfahren entdeckt.
„Es ist höchste Eisenbahn!“ ruft Claudia in ihrer Uniform mit ihren kurzen, lockigen Haaren. Sie muss schmunzeln. Ihr Job findet sich oft sogar in ihrer Wortwahl wieder. Der Gesichtsausdruck wechselt auf konzentriert, sie hebt die leuchtend orangefarbene Kelle und schlüpft behände durch die Schiebetür, die bereits piepst. Schon setzt sich der Zug in Bewegung und rollt sanft auf den Gleisen in Richtung Berchtesgaden.
An allen großen bayerischen Seen, von Tegernsee, über Chiemsee zum Königsee ist die BRB unterwegs. Aber ihr Streckennetz deckt mit Ingolstadt und Eichstätt, Füssen im Allgäu und Bayrischzell im bayrischen Oberland auch noch einen weitaus größeren Teil Bayerns ab.
Für Claudia ist es nicht wichtig, weit herumzukommen. Sie liebt ihre Stammstrecke Freilassing – Berchtesgaden und wird auch meist hier eingesetzt. Täglich kommen hier 32 Züge durch. Claudias Lieblingsstelle ist kurz vor dem Bahnhof Bischofswiesen. „Wenn der Zug den Hallturmer Berg hinaufgeschnauft ist und um die Kurve biegt, dann liegen die hohen Berggipfel so imposant vor uns und der Watzmann steht so majestätisch da – das ist jedes Mal atemberaubend“, schwärmt die Schaffnerin.
Durchschnittlich fast 800 Fahrgäste steigen am Bahnhof Berchtesgaden täglich ein und aus. Dank des Landkreises Berchtesgadener Landes dürfen Fahrräder kostenlos transportiert werden. Die Zugbegleiterin freut sich, dass das Angebot 2023 mit über 35.000 Rädern so gut angenommen wurde – sie fährt in ihrer Freizeit selbst leidenschaftlich gern Fahrrad.
Claudia ist in Berchtesgaden aufgewachsen. Ihre Ausbildung hat sie in der Gastronomie begonnen: „Ich habe in einem kleinen Hotelbetrieb als Köchin gelernt.“ Trotzdem ihr der Beruf große Freude bereitet hat, wechselt Claudia später in den Verkauf und gewinnt dort in einer der Kolleginnen eine beste Freundin. “Die Kirsten hat gleich mehrere Weichen in meinem Leben gestellt,“ lächelt Claudia. So schlägt die Freundin eines Tages vor, gemeinsam zur Bahn zu wechseln. Claudia ist es wichtig, dass sie viel mit Menschen zu tun hat. Ihr Job soll abwechslungsreich sein. Sie möchte eine verantwortungsvolle und wichtige Aufgabe übernehmen. Alle Kriterien erfüllt – und so bewerben sich beide Frauen beim regionalen Bahnunternehmen. Im Juli 2013 springt Claudia im wahrsten Sinne des Wortes auf den fahrenden Zug auf.
Einige Jahre zuvor war im Raum Rosenheim Ähnliches passiert. Markus lässt sich von seinem Spezl überreden und bewirbt sich ebenfalls als Zugbegleiter. In dieser Geschichte spielen Missverständnisse und so manch andere Irrung und Wirrung eine große Rolle. Letztlich arbeiten Markus und Claudia regelmäßig zusammen in einem Zug: Er nach einigen Jahren als Lokführer, sie als Zugbegleiterin. Der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt, und im August 2022 läuten die Hochzeitsglocken. Die Freundin, die Claudia zum Jobwechsel motiviert hat, ist natürlich Trauzeugin. „Das war wirklich alles Schicksal,“ erinnert sich Claudia immer noch etwas erstaunt.
Der Zug fährt eine Kurve in Richtung Gmundbrücke kurz vor dem Bahnhof Berchtesgaden und plötzlich erscheint der noch schneebedeckte Hohe Göll vor dem großen Panoramafenster – zum Greifen nah. Die Fahrgäste staunen und Claudia macht sich bereit. Sie hat gleich Feierabend!