Ausstattung der Stiftskirche
Vom Schlossplatz aus betrittst Du die im Westen gelegene Vorhalle und stehst vor dem spätromanischen Hauptportal. Das repräsentative Stufenportal lässt die kleine Türöffnung in der Fassade größer erscheinen. Das Portalgewände verbreitert sich stufenförmig nach außen und erzielt auf diese Weise einen beeindruckenden optischen Effekt. So entsteht fast wie von selbst der Wunsch, den Kirchenraum zu betreten. Der rote Adneter und der weißgelbe Untersberger Marmor im Farbwechsel nebeneinander finden sich auch an einigen bedeutenden Salzburger Portalen. Aus Untersberger Marmor gefertigt sind auch die beiden Portallöwen, von denen sich einer heute im Nordosten des Kreuzgangs befindet.
Du betrittst nun das dunklere Langhaus, das im reizvollen Gegensatz zum höheren, lichterfüllten Hochchor steht. Das verzerrte Netzrippengewölbe, das aus bauchronologischen oder bautechnischen Gründen entstand, bildet den Deckenabschluss des Langhauses. Es lässt eine besondere Raumwirkung entstehen. Der Chor der Stiftskirche wurde nicht aufgrund einer darunterliegenden Krypta erhöht. Vielmehr wollten die Chorherren, ähnlich einer Bühne, die besondere Bedeutung dieses Bauteils hervorheben.
Am Chorgestühl, einem Meisterwerk der Gotik, fallen Dir besonders die Stirn- und Scheidewände aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts auf, die mit Ranken und Tiergestalten geschmückt sind. Dargestellt sind Löwe, Pelikan, Einhorn und Hirsch. Ihre Bildsymbolik reicht weit in die Romanik zurück und trägt jeweils eine Botschaft des christlichen Glaubens in sich. Während der Löwe für Christus, den König, steht, symbolisiert der Pelikan den aufopferungsvollen Kreuzestod Jesu für die Welt. Das Fabeltier Einhorn steht für das Gute und die Reinigung von allem Bösen. Der Hirsch ist Symbol für die Erlösung durch Christus, auf den wir getauft sind.
Es hat sich viel getan...
Den spätromanischen Kreuzgang, der an die Südseite der ehemaligen Klosterkirche angrenzt, betrittst Du heute nicht mehr von der Kirche, sondern vom Schlossplatz aus. An den Kreuzgang, dem Herzstück der Klosteranlage, angeschlossen und von ihm aus erreichbar waren die verschiedenen Gemeinschafts- und Aufenthaltsräume des Stiftes sowie die Kirche. Chorherren und dem Stift nahestehende Personen wurden hier beigesetzt, wovon zahlreiche Grabsteine noch heute zeugen.
Der Kreuzgang umschloss den Kreuzgarten. Er war aber auch Verweilbereich für die Chorherren im klösterlichen Tagesablauf mit Schweigeperioden und Meditation, Redezeiten sowie den Tätigkeiten des täglichen Lebens und damit das Kommunikationszentrum des Stiftes.
Die Bauplastik aus der Entstehungszeit des Kreuzgangs strebte nicht nach realistischen Darstellungen und Proportionen, sondern sollte einen christlichen Symbolgehalt vermitteln. Dramatische Szenen, dämonische Gesichter und Fratzen sollten das Auge fesseln. Der ausgeprägte Kontrast zwischen Symbolen für Gutes und Böses war durchaus gewollt und bewusst gestaltet.
Die Bildhauerkunst der Romanik ist durch das Streben nach starkem Ausdruck gekennzeichnet. Ihre Absicht liegt in der christlichen Mission. Romanisches Flechtwerk ziert die Säulen und Pfeiler. Hier begegnet Dir auch wieder die mittelalterliche Symbolwelt.
Zwei Heiligen geweiht
Die Stiftskirche ist zwei Heiligen geweiht: Petrus und Johannes dem Täufer. Beide sind eng mit der Lebensgeschichte Jesu verknüpft. Während Jesus sich von Johannes, der ihm vorausging, taufen ließ, trug er Petrus auf, ihm nachzufolgen. Petrus erhielt die herausfordernde Aufgabe, die von Christus begründete Kirche umsichtig und sicher zu führen.
Sicher hatten die beiden Heiligen auch für die Augustiner-Chorherren, die die Stiftskirche erbauten, eine besondere Bedeutung. So begegnen Dir die beiden Kirchenpatrone an mehreren Stellen – teilweise so unscheinbar, dass es ein genaues Hinschauen braucht. Unter anderem sind Johannes der Täufer und Petrus am Hochaltar, an den Seitenaltären und auf einem stelenartigen Wandschrein dargestellt.
Die Heilige Pforte in Berchtesgaden
Am 8. Dezember 2015 rief Papst Franziskus das Heilige Jahr 2016 aus und öffnete im Vatikan die seit 15 Jahren verschlossene Heilige Pforte des Petersdoms. Doch nicht nur im Vatikan hatten Gläubige die Gelegenheit, eine Heilige Pforte zu durchschreiten. Am 13. Dezember 2015, dem 3. Adventssonntag, wurde im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes die „Pforte der Barmherzigkeit“ am Nordportal der Stiftskirche Berchtesgaden eröffnet. Bis zum 20. November 2016 stand sie ganz im Zeichen der Barmherzigkeit.
Spiritueller Impuls
"Du bist Petrus, und auf diesem Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Finsternis werden sie nicht überwältigen." - Mt 16,18
Jesus übertrug Petrus die Aufgabe, seine Kirche weiterzuführen. Jesus vertraute Petrus, obwohl Petrus schon mehrmals Schwächen zeigte. Er traute Petrus zu, standhaft zu bleiben, auch wenn er um dessen Schwächen wusste. Und Petrus enttäuschte ihn nicht.
Was trauen wir anderen zu? Wen bestärken wir und geben ein Gefühl der Sicherheit, das anderen hilft, Herausforderungen gut zu meistern?
Der Gasthof Neuhaus: Kirche und Wirtshaus
Der Gasthof Neuhaus wurde 1576 von Fürstpropst Jakob II. als Hoftaverne erbaut, um Gäste zu beherbergen und zu bewirten. Bis 1797 diente das Haus diesem Zweck.
In der Hoftaverne wurde bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts ausschließlich Wein ausgeschenkt, da Bier damals noch nicht über einen längeren Zeitraum gelagert werden konnte. Nicht nur die Gäste des Fürstpropstes übernachteten im Neuhaus – auch die verschiedensten Handwerkszünfte hielten hier ihre Versammlungen ab.
Darüber hinaus spielte das Wirtshaus eine wichtige Rolle im politischen Leben Berchtesgadens. So fanden hier beispielsweise die Bürgermeisterwahlen statt.
Das Neuhaus war mehr als 200 Jahre im Besitz des Augustiner-Chorherrenstifts, bevor es 1797 in Privatbesitz überging. Eine weitere Veränderung folgte 1815: Nachdem Anton Wurm, der damalige Besitzer des Hofbrauhauses Berchtesgaden, das Gasthaus gekauft hatte, ließ er dort auch sein Bier ausschenken.
Der Gastronomiebetrieb wurde von Beginn an ausschließlich von „Bestandwirten“, also Pächtern, betrieben. Auffällig ist, dass die Wirte oft früh verstarben und ihre Witwen anschließend einen neuen „Bestandwirt“ heirateten. Dadurch wechselten die Pächter in regelmäßigen Abständen, bis das Neuhaus 1971 erstmals wegen umfangreicher Umbauarbeiten schloss. In den folgenden Jahren war die Traditionswirtschaft am Marktplatz nur noch gelegentlich geöffnet.
Seit der Wiedereröffnung des Gasthauses Neuhaus im Jahr 2013 kehren Gäste und Einheimische gerne dort ein. Die historische Gaststube mit ihrem markanten Gewölbe und der Biergarten, der im 19. Jahrhundert übrigens mit dem Abbruchmaterial der alten Türme der Stiftskirche aufgeschüttet wurde, machen den Gasthof zu einem beliebten Treffpunkt. Im Sommer kannst Du im Schatten der markanten Kastanienbäume angenehme Stunden verbringen.