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Peter Ostermayr

Peter Ostermayr, Filmproduktionen
Eine Kurzbiographie über die Lebens- und Werkstationen des großen Filmpioniers Peter Ostermayr
Der Ehrenbürger von Berchtesgaden - 10. Juli 1955
Zeittafel Peter Ostermayr (PDF, 105 KB) Stand 19.03.2007
Einleitung
Peter Ostermayr, wird am 18. Juli 1882 in Mühldorf am Inn geboren. Am 7. Mai 1967 stirbt der große Pionier der deutschen und bayerischen Filmgeschichte in München. Er beginnt am 2. April 1907 mit der Gründung seiner ersten „Film“-Firma in München. Er legt damit den Grundstein für den modernen internationalen Film- und Medienstandort München der Gegenwart. Aus dieser Tatsache heraus ergibt sich im Jahre 2007 das 100-jährige Jubiläum des weltbekannten Filmstandorts München, welcher ab 1924 auch auf den Aufbau der Filmindustrie in Indien ausstrahlen wird.
Peter Ostermayr „begeht“ – ausgehend vom Geburtsjahr 1882 – am 18. Juli 2007 seinen 125. Geburtstag – ebenfalls ein bedeutendes Gedenk-Jubiläum – im Verbund mit dem 100-jährigen Film-Jubiläum ein ganz besonderer Anlass, der durch den 40. Todestag am 7. Mai 2007 zu einem dreifachen Gedenk-Jubiläum im Jahr 2007 komplettiert wird.
Franz Ostermayr, der ältere Bruder von Peter Ostermayr und sich später Franz Osten nennt, wird bereits am 23. Dezember 1876 geboren. Er ist an der Gründung der ersten Ostermayr-Filmfirma in München 1907 ebenso beteiligt wie an der Gründung der heutigen Bavaria-Filmstudios in Geiselgasteig ab 1918 vor den Toren Münchens. Die nachfolgende Darstellung berücksichtigt in nachgeordneter Form auch Franz Ostermayr (Osten), der ab 1924 – von München kommend – auch beim Aufbau des Filmstandorts Bombay in Indien mitwirkt.
Peter Ostermayr gründet als erst 35-Jähriger ab 1918 die heutigen „Bavaria-Filmstudios“ in Geiselgasteig vor den Toren Münchens mit seinem ersten Atelier-Film im Jahre 1920 nach einer Romanvorlage von Ludwig Ganghofer.
Peter Ostermayr gründet bereits 1921 mit der – ersten – „Deutschen Filmschule“ die erste Ausbildungsstätte dieser Art in Deutschland und legt damit den eigentlichen Grundstein für das gesamte Ausbildungswesen auf dem Gebiet des Films und des Fernsehens von heute.
Peter Ostermayr wird als bereits 73-Jähriger ab 1956 Gründungs-Vorsitzender des Aufsichtsrates der neu gegründeten „Bavaria Filmkunst AG“ und ist damit derjenige, der für den Aufbau und Wiederaufbau des modernen Film- und Medienstandorts München nach beiden Weltkriegen verantwortlich zeichnet.
Peter Ostermayr wird am 10. Juli 1955 im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Ludwig Ganghofer zum Ehrenbürger der Marktgemeinde Berchtesgaden ernannt.
Peter Ostermayr ist - ob als Ehrenvorsitzender des „Verbandes der deutschen Filmproduzenten“, Gründer und Vorsitzender des „Wirtschaftsverbandes der bayerischen Filmproduzenten“, Beirat der „Filmprüfstelle München“, Mitglied im Fachausschuss der Handelskammer, „Vereidigter Sachverständiger“ bei den Münchner Gerichten – immer beseelt vom sozialen Gedanken, den er auch praktiziert. Dies findet insbesondere im Rahmen der Jugendförderung nachhaltigen Ausdruck und bleibt teilweise bis heute sichtbar:
So findet der viel Beschäftigte mit der Gründung der „Deutschen Ganghofer-Gesellschaft“ 1955, die von ihm in seinem Münchner Filmbüro entworfen wird, eine weitere große Aufgabe:
Die „Ganghofer-Jugendherberge“, die am 7. Juli 1957 eingeweiht wird und mithin am 7. Juli 2007, dem 152. Geburtstag des Namenspatrons 50 Jahre alt ist, führt zu einem zusätzlichen „Peter-Ostermayr“-Jubiläum.
Peter Ostermayrs Verbindung zu Ludwig Ganghofer, der ihm erstmals die Filmrechte überlässt, war zu Lebzeiten des Dichters herzlich und freundschaftlich. Peter Ostermayr wird mit seinen etwa 30 Verfilmungen - von 49 - der Werke Ludwig Ganghofers auch der „Ganghofer-Produzent“ schlechthin.
Peter Ostermayr filmisches Werk umfasst weit über 400 Filmproduktionen, an denen er in verschiedenen Funktionen – Produzent – Regisseur – Drehbuchautor – beteiligt ist. Dabei mag die Zahl von etwa 30 Ganghofer-Verfilmungen zahlenmäßig nicht einmal wesentlich erscheinen. Dennoch sind es gerade diese „Ganghofer-Verfilmungen“, die für die Filmlaufbahn von Peter Ostermayr eine Art „Schlüsselfunktion“ wahrnehmen, da sie einerseits immer jeweils am Beginn einer neuen Film-Ära stehen. Andererseits sind Ganghofers Romanvorlagen für Peter Ostermayr fast „fertige Drehbuchvorlagen“, die auch die Produktion von Film-Adaptionen erleichtert. Heimatfilme – auch ohne Ganghofer-Vorlage – werden bis zum heutigen Tage weitgehend als „Ganghofer-Filme“ wahrgenommen. Ludwig Ganghofer wird und dies insbesondere durch Peter Ostermayr – dem Erfinder des Heimatfilms - zum Synonym für diese gesamte Filmgattung.
Peter Ostermayr verkörpert – ausgehend von 1882 und bis 1967 – nahezu 9 Jahrzehnte und etwa vier Generationen, den Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert und mehr als dessen gesamte erste Hälfte bis 1967 – und dies nach zwei großen Weltkriegen mit ihren jeweiligen epochalen Umbrüchen, die auch auf die Film- und Mediengeschichte nachhaltige Auswirkungen haben. Die Entwicklungs- und Wirkungsgeschichte des Films steht seit jeher und weltweit immer wieder auch im Spannungsbogen der jeweiligen politischen Zeitumstände, die das Medium Film, insbesondere auch in Deutschland zur Zeit des NS-Regimes von 1933 – 1945 massiv beeinflussen oder gar manipulieren.
Peter Ostermayr, die große Gründerpersönlichkeit, wirkt dabei mit, wesentliche Grundlagen für den seit geraumer Zeit stattfindenden Übergang von der klassischen „Industriegesellschaft“ in eine neue und globalisierte „Informations- und Kommunikationsgesellschaft“ zu schaffen. Ein Übergang, der nur vergleichbar erscheint mit dem Beginn der Neuzeit vor etwa 500 Jahren als es die neue Technik des Buchdrucks ist, die „revolutioniert“, „reformiert“, die „Aufklärung ermöglicht oder die Entwicklung zu demokratischen Gesellschaften beflügelt … - um nur einige wenige Folgen aus der natürlich weitaus umfassenderen und auch mit Schattenseiten versehenen Wirkungsgeschichte des Buchdrucks aufzuzeigen.
Peter Ostermayrs Werk hat die globalisierte „Informations- und Kommunikationsgesellschaft“ erreicht, mehr noch:
Peter Ostermayrs Werk ist darin offenbar ein unverwüstlicher und wesentlicher Bestandteil geblieben. Heutzutage zeigen TV-Stationen und dabei sogar ein eigener Sparten-Sender für „Heimatfilme“ viele Filme des großen Münchner Filmpioniers laufend und oftmals mehrfach täglich.
Die vorliegende „Kurzbiographie über die Lebens- und Werkstationen des großen Filmpioniers“ in der Darstellungsform einer kurzfassenden Zeittafel hat noch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Überdies erfolgt die Darstellung unter besonderer Berücksichtigung der Berührungsebenen mit Leben und Werk Ludwig Ganghofers, zusammen mit Peter Ostermayr ein wohl einmaliges symbiotisches „Literatur- und Film-Phänomen“, welches auch das „Bayern-Bild“ mit seinen vielen Klischees in einer internationalen alpenländischen Landschaft wohl immerwährend weiter prägt und in der ganzen Welt vermittelt…

